Bitcoin fällt unter 76.000 Dollar – Kriegsprämie belastet Krypto
Neue US-Militärpläne gegen Iran treiben Ölpreis auf 126 Dollar und setzen Risikoanlagen unter Druck – Bitcoin verliert 2,1 Prozent in 24 Stunden.
Veröffentlicht
1. Mai 2026

Die Kriegsprämie ist zurück – und sie belastet den Kryptomarkt massiv. Bitcoin fiel in den letzten 24 Stunden um 2,1 Prozent auf 75.633 Dollar und notiert damit rund 50.000 Dollar unter seinem Allzeithoch von 126.000 Dollar im Oktober 2025. Der Auslöser: ein Bericht von Axios, wonach US-Präsident Donald Trump neue Militäroptionen gegen Iran vorgestellt werden sollen. Das US-Central Command hat bereits Anfragen für den Einsatz von Hyperschallraketen im Nahen Osten gestellt – ein Novum für amerikanische Streitkräfte.
Ölpreis auf Vierjahreshoch
Der Preis für Brent-Rohöl schoss daraufhin um 7,1 Prozent auf 126,41 Dollar pro Barrel nach oben – der höchste intraday-Wert seit vier Jahren. Seit Jahresbeginn hat sich der Ölpreis mehr als verdoppelt. Die blockierte Straße von Hormus, die seit Ende Februar faktisch geschlossen ist, drosselt die Versorgung mit Rohöl, Erdgas und verarbeiteten Produkten. Die sogenannte Kriegsprämie – der Anteil des Preises, der auf Konfliktrisiken und nicht auf Fundamentaldaten zurückgeht – ist für Brent erheblich.
Die Märkte reagieren entsprechend: Der Nasdaq-100-Future gab eine frühe Rallye von 1,1 Prozent wieder ab, der MSCI Asia Pacific Index fiel 1,4 Prozent, und Europas Börsen starteten mit einem Minus von einem Prozent. US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit notieren nahe dem höchsten Stand seit Juli, während japanische Staatspapiere auf das höchste Niveau seit 1997 stiegen.
Bitcoin zwischen Ölpreis und Kriegseskalation
Bitcoin hat sich in den ersten Kriegswochen bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Seit April bewegte sich der Kurs in einer engen Spanne zwischen 74.000 und 78.000 Dollar, während der Ölpreis von 98 auf 126 Dollar stieg. Doch jede Eskalationsnachricht hinterlässt tiefere Narben. Die kumulative Belastung wird nun sichtbar.
Fernando Lillo, Direktor der Kryptobörse Zoomex, sieht einen engen Zusammenhang: „Bitcoin versucht, die wichtige Marke von 80.000 Dollar zu durchbrechen, was eine Lösung des Nahostkonflikts und einen Ölpreis unter 100 Dollar erfordern würde. Das eine ist ohne das andere unmöglich.“ Lillo skizziert ein Szenario, in dem die Trump-Administration die Seeblockade in den kommenden Tagen aufhebt und dies als Reaktion auf „positive Schritte Irans“ verkauft – eine mögliche Absprache für eine Erholungsrallye. „Eine mögliche Aufhebung der Beschränkungen und niedrigere Ölpreise könnten einen beschleunigten Kapitalzufluss in Risikoanlagen auslösen und Bitcoin den Weg über 80.000 Dollar in Richtung 85.000 Dollar ebnen.“
Ether verlor 3,4 Prozent auf 2.244 Dollar, XRP gab 2,1 Prozent nach, Solana fiel um 2,6 Prozent auf 82,62 Dollar. Einziger grüner Fleck unter den Top-10-Kryptowährungen außerhalb der Stablecoins ist Dogecoin mit einem Plus von 3,8 Prozent.
Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Sollte Bitcoin unter die Jahresfreigrenze von 600 Euro Gewinn (in Deutschland nach § 23 EStG bei privaten Veräußerungsgeschäften) fallen, könnten Haltefristen oder Nachweisprobleme bei Transaktionen in Kriegszeiten zusätzliche Unsicherheit bedeuten. Die BaFin und die EU-Verordnung MiCA regulieren den Markt zwar zunehmend, doch geopolitische Risiken lassen sich nicht wegregulieren – das zeigt der aktuelle Kriegsabschlag auf Kryptos.