US-Bankenverband attackiert Weißes Haus in Debatte um
Der American Bankers Association hält eine geplante Renditeverbot für verfehlt und warnt vor Kapitalabflüssen bei kleineren Instituten.
Veröffentlicht
15. April 2026

Der mächtige American Bankers Association (ABA) hat sich mit deutlichen Worten in die regulatorische Debatte um Stablecoins eingeschaltet. Er kritisiert einen Bericht des Weißen Hauses, der die Auswirkungen eines Verbots von Renditen auf Stablecoins als vernachlässigbar einstuft, als an der Realität vorbei. Die eigentliche Frage sei nicht, ob ein Verbot das Bankgeschäft beeinflusse, sondern ob erlaubte Zinsen massive Einlagenabflüsse auslösen würden.
Falsche Fragestellung, reale Risiken
In einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme werfen der ABA-Chefökonom Sayee Srinivasan und sein Kollege Yikai Wang dem Council of Economic Advisers des Präsidenten vor, die „falsche Frage“ untersucht zu haben. Die Studie des Weißen Hauses kam zu dem Schluss, dass ein Verbot von Stablecoin-Zinsen das Kreditvolumen der Banken nur um marginale 0,02% oder 2,1 Milliarden Dollar erhöhen würde. Für die ABA geht es jedoch um die Kehrseite: „Die aktuelle politische Sorge ist, ob die Erlaubnis von Renditen auf Stablecoins zu Einlagenabflüssen ermutigen würde, insbesondere von Community Banks“, so die Ökonomen.
Ihre Befürchtung: Selbst wenn die Gesamteinlagen im System stabil blieben, würde Kapital von kleinen, lokalen Banken zu großen Finanzinstituten und in Stablecoins fließen. Dies würde die Refinanzierungskosten für Community Banks in die Höhe treiben und die Kreditvergabe vor Ort einschränken. Einige kleinere Institute könnten gezwungen sein, auf teurere Großkredite zurückzugreifen.
Crypto-Industrie sieht Chance für mehr Wettbewerb
Die ABA räumt indirekt ein, dass das Argument der Krypto-Industrie zieht: Haushalte und Unternehmen wären finanziell motiviert, bei attraktiveren Zinsen auf Stablecoins umzuschichten. Prominente Vertreter wie Coinbase-CEO Brian Armstrong kritisieren seit langem, dass Banken seit Jahrzehnten nahezu null Zinsen auf Einlagen zahlen. Stablecoin-Renditen könnten demnach für einen faireren Wettbewerb sorgen.
Die Debatte hat hohe politische Brisanz. Vertreter aus Krypto- und Bankenindustrie verhandeln derzeit hinter den Kulissen über einen Gesetzentwurf im US-Senat, der die Regulierung digitaler Vermögenswerte vorantreiben soll. Die Frage eines Stablecoin-Zinsverbots gilt als einer der größten Streitpunkte.
Ausblick mit Blick auf Europa
Die Kontroverse zeigt die tiefe Verunsicherung der etablierten Finanzbranche vor disruptiven Technologien. Für Anleger im DACH-Raum ist die Entwicklung beobachtenswert, da regulatorische Vorgaben in den USA oft Signalwirkung für die Auslegung der EU-MiCA-Verordnung haben. Sollten sich renditetragende Stablecoins durchsetzen, würden sich auch hierzulande neue Fragen zur steuerlichen Behandlung (§ 22 EStG) und zur Abgrenzung zu klassischen Bankeinlagen stellen.