JPMorgan-Chef Dimon drängt auf Blockchain-Offensive gegen
In seinem Jahresbrief warnt der Banker vor neuen Wettbewerbern und fordert eine beschleunigte Einführung eigener Blockchain-Technologie. Eine US-Studie widerspicht unterdessen Banken-Bedenken zu Stablecoins.
Veröffentlicht
10. April 2026

Jamie Dimon, der langjährige CEO von JPMorgan Chase, hat in seinem jüngsten Jahresbrief an die Aktionäre ein klares Signal gesetzt: Das traditionelle Finanzwesen muss aufrüsten. Dimon warnt vor einer „ganz neuen Reihe von Wettbewerbern“ aus dem Bereich der Blockchain-Technologie und fordert, die eigenen Bemühungen zu beschleunigen, um die Marktposition zu verteidigen.
Der Aufruf ist bemerkenswert, kommt er doch von einem ehemals lautstarken Krypto-Skeptiker. Dimon, der letztes Jahr öffentlich erklärte, er sei „zum Gläubigen an Stablecoins geworden“, betont nun, dass „Blockchain real ist“ und Teile des traditionellen Finanzsystems verdrängen werde. Die Bank ist nicht untätig: Seit 2019 gibt es den JPM Coin auf einer eigenen Blockchain, und die Transaktionsvolumina blockchain-basierter Produkte seien seit 2023 um etwa das Dreißigfache gestiegen.
Banken-Lobby gegen Stablecoin-Zinsen
Parallel zum technologischen Ausbau engagiert sich JPMorgan mit anderen Großbanken intensiv in der regulatorischen Debatte in den USA. Die Industrie drängt darauf, Bestimmungen in Gesetzesvorhaben wie dem GENIUS Act und dem erwarteten CLARITY Act zu ändern. Ihr Hauptanliegen: Sie wollen verhindern, dass Stablecoin-Emittenten Zinsen anbieten dürfen. Die Banken argumentieren, verzinsliche Stablecoins könnten als Ersatz für Einlagenkonten dienen, ihre Deposit-Basis gefährden und so die Kreditvergabe destabilisieren.
US-Studie widerspricht Banken-Befürchtungen
Diese Bedenken wurden nun durch eine neue Analyse des White House Council of Economic Advisers in Frage gestellt. Die Studie, die auf aktuellen Marktbedingungen basiert, kommt zu dem Schluss, dass ein Verbot von Stablecoin-Zinsen nur marginale Auswirkungen auf Abflüsse von Bankeinlagen hätte. Konkret schätzt der Bericht, dass die Beseitigung der Stablecoin-Verzinsung die Bankkredite um lediglich etwa 2,1 Milliarden US-Dollar erhöhen würde – was etwa 0,02 % der gesamten Kreditsumme entspricht.
Gleichzeitig würde ein Verbot den Verbrauchern einen geschätzten Netto-Wohlfahrtsverlust von 800 Millionen US-Dollar auferlegen. Die Kosten eines Verbots könnten die potenziellen systemischen Vorteile somit überwiegen. Selbst in einem angenommenen Worst-Case-Szenario, das unrealistische Annahmen wie Null-Überschussreserven erfordert, bliebe die Bedrohung für das Kreditgeschäft begrenzt.
Ausblick und DACH-Relevanz
Es ist ungewiss, ob diese Analyse die Verhandlungen zwischen Banken und der Krypto-Industrie beeinflussen wird. Die Gespräche über die künftige Regulierung von Stablecoins sollen laut Insidern jedoch weiterhin „vorsichtig optimistisch“ verlaufen. Für institutionelle und private Anleger im DACH-Raum unterstreicht die Entwicklung die zunehmende institutionelle Adoption von Blockchain-Technologien. Die Diskussion um verzinsliche Stablecoins und ihre regulatorische Behandlung wird auch hierzulande im Kontext der anstehenden MiCA-Verordnung der EU relevant bleiben.