Satoshi Nakamoto: Neue Spur führt zu Krypto-Pionier Adam Back
Eine New-York-Times-Recherche entfacht die Debatte um die Identität des Bitcoin-Erfinders neu. Der britische Cryptographer Adam Back rückt ins Zentrum – doch Beweise fehlen weiterhin.
Veröffentlicht
4. Mai 2026

Knapp 17 Jahre nach der Veröffentlichung des Bitcoin-Whitepapers ist die Identität seines Schöpfers weiterhin eines der größten Rätsel der digitalen Ära. Eine neue Recherche der New York Times vom April 2026 hat die Spekulationen nun neu entfacht – und lenkt den Fokus auf einen Mann, der in Fachkreisen seit langem als möglicher Kandidat gilt: den britischen Cryptographen Adam Back.
Der Cypherpunk und sein Erbe
Adam Back ist keine unbekannte Größe. Der Informatiker und Kryptographie-Experte entwickelte bereits 1997 mit Hashcash ein Verfahren zur Spam-Bekämpfung, das auf dem Prinzip der Proof of Work basiert. Genau dieses Verfahren wird im Bitcoin-Whitepaper von 2008 explizit zitiert. Die technische Verwandtschaft zwischen Backs Arbeit und den Fundamenten des Bitcoin-Protokolls ist unbestreitbar und bildet seit Jahren das stärkste Indiz für seine mögliche Urheberschaft.
Doch die NYT-Recherche geht über die reine Technik hinaus. Die Autoren untersuchten Stil und Sprachmuster des Whitepapers. Demnach lasse sich eine konsistente, akademisch geprägte britische Englisch-Variante feststellen – ein weiteres Puzzleteil, das ins Profil des in Großbritannien geborenen Back passen würde.
Die Indizienkette: Öffentliche Postings und eine Million Bitcoins
Die Journalisten analysierten zudem die Zeitstempel von Satoshi Nakamotos öffentlichen Beiträgen aus den Jahren 2009 und 2010. Die Kommunikation erfolgte überwiegend tagsüber, mit auffälligen Lücken in den Nachtstunden der mitteleuropäischen Zeitzone. Ein weiterer Hinweis auf einen europäischen Ursprung? Möglich, aber nicht zwingend.
Ein entscheidendes Beweisstück fehlt jedoch weiterhin: die Fähigkeit, eine Nachricht mit den privaten kryptographischen Schlüsseln der ersten, 2009 geschürften Bitcoins zu signieren. Diese frühen Einheiten – oft als „Patoshi-Muster“ bezeichnet und auf rund eine Million Bitcoins geschätzt – sind seit ihrer Entstehung nahezu unberührt geblieben.
„Solange niemand mit diesen Schlüsseln signiert, bleibt jeder Verdacht eine Hypothese“, schreibt die NYT.
Anonymität als Schutz
Satoshi Nakamoto zog sich 2011 vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Die Motive dafür sind Spekulation: Wollte er politischem oder regulatorischem Druck entgehen? Oder war es die strategische Entscheidung, eine dezentrale Bewegung ohne Führungsfigur zu etablieren? Adam Back selbst hat die Autorenschaft stets veement bestritten.
Die neue Recherche stellt keine endgültige Lösung dar. Sie fügt einem komplexen Puzzle ein weiteres, sorgfältig geprüftes Indiz hinzu. Solange niemand die alten Schlüssel bewegt, bleibt die Frage nach dem Schöpfer der ersten Kryptowährung unbeantwortet.
Für Anleger hierzulande ist die Diskussion um Nakamotos Identität vor allem steuerlich relevant: Sollte der Schöpfer seine ruhenden Bestände jemals bewegen, könnten massive Verkäufe den Markt erschüttern – ein Szenario, das deutsche Finanzämter bei der steuerlichen Einordnung von Bitcoin-Gewinnen (§ 23 EStG) im Blick behalten dürften.