PACTs: Paradigm-Forscher will Bitcoin vor Quantenangriffen
Dan Robinson schlägt ein System vor, das den Besitz alter Wallets beweist, ohne Bitcoins zu verschieben – ein Schutz gegen die zukünftige Quantenbedrohung.
Veröffentlicht
2. Mai 2026

Quantencomputer könnten in Jahren oder Jahrzehnten die Kryptografie von Bitcoin brechen. Ein Forscher des Investmentfonds Paradigm hat nun einen Vorschlag vorgelegt, der dieses Risiko entschärfen soll, ohne das Netzwerk sofort umzubauen.
Dan Robinson präsentiert mit den Provable Address-Control Timestamps (PACTs) einen Mechanismus, der es ermöglicht, den Besitz einer Bitcoin-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt zu belegen – ohne die Coins zu bewegen. Das ist entscheidend für alte Wallets, die seit Jahren inaktiv sind, darunter auch jene, die dem rätselhaften Schöpfer Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden. Sie wären besonders anfällig, falls Quantenrechner irgendwann private Schlüssel aus öffentlichen ableiten können.
Wie PACTs funktionieren
Das System nutzt eine bereits bestehende Blockchain-Funktion: Zeitstempel. Ein Nutzer kann einen kryptografischen Beweis erzeugen, der belegt, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt die Kontrolle über eine Adresse hatte. Dieser Beweis wird in der Blockchain gespeichert, ohne dass die Bitcoins selbst transferiert werden müssen.
Sollte die Quantentechnologie tatsächlich so weit sein, dass sie private Schlüssel aus öffentlichen ableiten kann, könnten die ursprünglichen Besitzer diesen vorab erstellten Nachweis nutzen, um ihre Coins in einer Version von Bitcoin zu reklamieren, die gegen Quantenangriffe resistent ist. Der Clou: Der Nachweis offenbart weder die Identität noch weitere Aktivitäten des Besitzers.
„Das Modell erlaubt es, Kontrolle zu beweisen, ohne zusätzliche Informationen in der Kette preiszugeben“, erklärt Robinson laut dem Branchendienst The Block.
Das Problem mit Alternativen
Bisherige Ansätze wie der BIP-361 setzen auf eine zeitlich befristete Migration: Nutzer, Börsen und Verwalter müssten innerhalb weniger Jahre auf quantenresistente Standards umstellen. Alte Signaturen würden danach ungültig, und nicht migrierte Coins wären blockiert.
Das Problem: Um alte Bitcoins zu verschieben, müssten die Besitzer öffentlich machen, dass sie noch die Kontrolle haben. Das könnte ihre Identität gefährden oder ihre Wallets mit anderen Aktivitäten verknüpfbar machen. PACTs umgehen dieses Dilemma elegant.
Prävention statt Aktion
Robinson betont, dass sein Vorschlag keine sofortige Entscheidung des Bitcoin-Netzwerks erzwingt. Vielmehr bietet er Nutzern die Chance, sich vorzubereiten: „Man sät heute einen Samen, für den Fall, dass sich die Bedingungen später ändern.“
Die Entwicklung von Quantencomputern gibt Anlass zu diesem Vorsorge-Denken. Schon jetzt haben Forscher mit einem 15-Bit-Quantenschlüssel experimentiert – weit entfernt von den 256 Bit, die Bitcoin nutzt, aber ein technischer Meilenstein. Wann der sogenannte „Q-Day“ kommt, der Moment, ab dem Quantenrechner eine echte Bedrohung darstellen, ist ungewiss. Google-Forscher sehen eine mögliche Notwendigkeit für Umstellungen um das Jahr 2029.
Ein strukturelles Problem
Die Quantenbedrohung stellt Bitcoin vor eine grundsätzliche Herausforderung: Wie passt man sich neuen Gefahren an, ohne die Prinzipien der Dezentralisierung und Unveränderlichkeit zu opfern? PACTs schlagen einen Mittelweg vor: keine sofortigen Protokolländerungen, aber ein Mechanismus, mit dem sich einzelne Nutzer wappnen können.
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Sollte es zu einer Migration oder einem „Quanten-Hard-Fork“ kommen, könnte das steuerliche Konsequenzen haben, etwa im Hinblick auf die Haltefrist nach § 23 EStG.