Avalanche-basiertes Stablecoin-Payment-System startet
NHN KCP testet mit Payco und Avalanche eine Blockchain-Zahlungsinfrastruktur und erreicht zwei Sekunden Abwicklungszeit – ein Schritt zur Kommerzialisierung von Stablecoin-Zahlungen.
Veröffentlicht
22. Mai 2026

Südkorea gilt als Vorreiter digitaler Zahlungen – Bargeld machte 2024 nur noch rund 16 Prozent aller Transaktionen aus. Nun treibt dort einer der größten Zahlungsabwickler des Landes die kommerzielle Nutzung von Stablecoins voran. NHN KCP, zuständig für einen erheblichen Teil des südkoreanischen E-Commerce, hat einen Pilot gestartet, der Online- und Offline-Zahlungen mit Stablecoins auf einer eigens entwickelten Blockchain-Infrastruktur testet.
Zwei Sekunden vom Scan zur Freigabe
Das System basiert auf einer Layer-1-Blockchain, die NHN KCP gemeinsam mit Ava Labs, dem Entwickler hinter der Avalanche-Plattform, aufgebaut hat. In internen Tests mit rund 700 Mitarbeitern maß der Zahlungsvorgang vom Scannen eines QR-Codes bis zur Autorisierung nur etwa zwei Sekunden. Das Pilotprojekt läuft in Kooperation mit Payco, einer mobilen Zahlungs-App, die mit Diensten wie Naver Pay und Kakao Pay konkurriert.
Online können Nutzer Payco-Geschenkgutscheine mit Stablecoins kaufen und verkaufen – innerhalb der App, die sie ohnehin nutzen. Offline testete das Unternehmen das System in einem Café und einer Kantine in der eigenen Zentrale. Zusätzlich entwickelte NHN KCP nach eigenen Angaben das erste „Stablecoin-Zahlungs-Admin-Panel“ für Händler – ein Dashboard, das Blockhain-basierte Umsätze und Abrechnungsdaten in Echtzeit anzeigt, ohne dass der Händler Blockchain-Kenntnisse benötigt.
Warum Südkorea?
Südkorea gehört zu den am stärksten bargeldlosen Volkswirtschaften der Welt. Die Pandemie hat diesen Trend noch beschleunigt, doch bereits vor Covid-19 galt das Land als Vorreiter digitaler Finanzsysteme. NHN KCP verarbeitet Zahlungen für einen großen Teil des heimischen Online-Handels. Das Unternehmen will das System mit den Pilotdaten weiter verfeinern und die Ergebnisse Finanzpartnern sowie großen Händlern vorlegen, um die Kommerzialisierung voranzutreiben.
Partnerschaft mit Ava Labs
Erst im vergangenen Monat hatten NHN KCP und Ava Labs eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet, um eine auf Avalanche basierende spezialisierte Zahlungs-Blockchain zu entwickeln. Ziel ist eine Infrastruktur für Zahlungsautorisierung, Händlerabrechnung und Finanzdienstleistungen – mit Subsekunden-Transaktionsbestätigungen für nahezu Echtzeit-Verarbeitung. Geplant ist zudem die Integration einer On-Chain-Verschlüsselungstechnologie, die sensible Zahlungsdaten direkt in der Blockchain-Umgebung schützen soll.
DACH-Perspektive
Für Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist dieser Pilot nicht nur ein fernes Experiment. Er zeigt, dass Stablecoins zunehmend als ernstzunehmendes Zahlungsmittel für den Massenmarkt etabliert werden. Das könnte mittelfristig auch die Diskussion um die regulatorische Einordnung von Stablecoins in der EU unter MiCA beeinflussen. Wer in Projekte wie Avalanche investiert, sollte aber bedenken: Stablecoin-Infrastruktur ist ein hart umkämpfter Bereich, und der Erfolg solcher Pilotprojekte hängt stark von der Akzeptanz durch Händler und Verbraucher ab. Steuerlich bleiben Stablecoin-Transaktionen hierzulande ein komplexes Feld – insbesondere bei der Haltefrist von einem Jahr gemäß § 23 EStG, wenn Stablecoins als Wirtschaftsgüter gehandelt werden. Die Entwicklung in Südkorea dürfte jedoch zeigen, dass der Trend Richtung nutzerfreundlicher Blockchain-Zahlungen ungebrochen ist.