Stablecoin-Markt: Der Dollar dominiert mit über 99 Prozent
Euro-Stablecoins spielen trotz MiCA-Regulierung kaum eine Rolle. Aktuelle Analyse von BIZ und EZB zeigt strukturelle Hürden für Alternativen zur Dollar-Anbindung.
Veröffentlicht
21. Mai 2026

Der Stablecoin-Markt hat längst die Milliarden-Marke überschritten – genauer: Er liegt weit jenseits von 100 Milliarden Dollar. Doch dieser Markt ist beinahe vollständig in einer einzigen Währung gefangen. Dollar-gestützte Stablecoins wie USDT und USDC machen über 95 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung aus. Der Rest teilt sich ein paar Nischenprodukte auf.
Die Analyse stammt von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Europäischen Zentralbank (EZB) und legt einen überraschenden Befund offen: Nicht-Dollar-Stablecoins sind kaum existent – ihr Anteil liegt bei rund 0,2 Prozent.
Das Henne-Ei-Problem der Euro-Stablecoins
Selbst Euro-Stablecoins, die als die vielversprechendste Alternative gelten, kommen über zwei dominante Token kaum hinaus. Die EU hat mit der MiCA-Verordnung einen klaren Rechtsrahmen geschaffen – und dennoch bleibt das Wachstum aus.
Das Problem ist struktureller Natur: Ohne tiefe Liquidität nutzen Händler die Tokens nicht. Ohne Nutzer entsteht keine Liquidität. Und ohne beides integrieren DeFi-Protokolle sie weder als Basiswährung noch als Sicherheit. Ein klassisches Henne-Ei-Problem, das sich nicht einfach durch Regulierung lösen lässt.
„Ohne Liquidität nutzen Trader sie nicht. Ohne Trader entsteht keine Liquidität.“
Der Kreislauf bleibt geschlossen – zur Freude der etablierten Dollar-Stablecoins.
Die vier Pfeiler der Nachfrage – und warum der Dollar bei allen gewinnt
Stablecoins erfüllen vier Hauptfunktionen: Krypto-Handel, Bezahlung von Gütern, Schutz vor lokaler Währungsinstabilität und grenzüberschreitende Zahlungen. In jedem dieser Anwendungsfälle haben Dollar-Token einen klaren Vorteil. Sie sind liquider, weiter verbreitet und werden von den großen Börsen und Protokollen bevorzugt unterstützt.
Für DeFi-Protokolle bedeutet der Mangel an Nicht-Dollar-Liquidität eine strukturelle Hürde für geografische Diversifikation. Wer europäischen oder asiatischen Nutzern Kredite in heimischer Währung anbieten will, kämpft mit dünnen Orderbüchern und weiten Spreads.
Geopolitischer Nebeneffekt für Anleger
Die Dominanz hat auch eine politische Dimension. Jeder umlaufende USDT oder USDC steht für Nachfrage nach Dollar-Reserven. Mit dem Wachstum des Stablecoin-Marktes verlängert sich die Dollar-Hegemonie in die digitale Finanzwelt – ein Effekt, der in Frankfurt, Peking und anderswo registriert wird.
Für Anleger hierzulande bleibt relevant, dass die steuerliche Einordnung von Stablecoin-Gewinnen nach § 23 EStG die Wahl der Währung beeinflussen kann. Dollar-Stablecoins bleiben liquider – doch die rechtliche Unsicherheit bei Euro-Alternativen schafft Raum für steuerliche Optimierung, sofern sich die Liquidität eines Tages verbessert.