Iran akzeptiert Krypto für Waffen – Experten zweifeln an Praxis
Das iranische Verteidigungsministerium listet Kryptowährungen als Zahlungsoption für militärische Exporte. Analysten sehen darin eher ein Signal als einen funktionierenden Online-Shop und warnen vor der Komplexität der Sanktionsumgehung.
Datum
8. Januar 2026

Key Takeaways:
- Irans Mindex-Website listet Kryptowährungen als mögliche Zahlungsmethode für militärische Exporte wie Raketen, Panzer und Drohnen auf.
- Experten wie Ari Redbord (TRM Labs) bezweifeln, dass die Website einen signifikanten Krypto-Handel abwickelt. Es handle sich eher um ein Signal- und Kontaktaufnahmemedium.
- Iran nutzt Kryptowährungen aktiv zur Sanktionsumgehung, wobei identifizierte Transaktionsvolumen bei über 2 Milliarden Dollar liegen.
- Die Transparenz der Blockchain bietet Strafverfolgungsbehörden laut Chainalysis neue Möglichkeiten, illegale Netzwerke aufzudecken.
Irans Waffen-Shop: Krypto als Zahlungsoption
Die Website des iranischen Verteidigungsexportzentrums Mindex wurde aktualisiert. In den FAQ steht nun, dass akzeptierte Zahlungsmethoden auch die „im Vertrag vereinbarte Kryptowährung“ umfassen. Dies ist laut Financial Times das erste Beispiel eines Nationalstaats, der Kryptowährung als Zahlung für militärische Güter und Dienstleistungen akzeptiert.
Das Angebot auf der Seite ist breit gefächert und umfasst:
- Raketen, Flugzeuge, Panzer und Boote
- Handfeuerwaffen und Munition
- Daten- und Kommunikationsausrüstung
Hintergrund sind die umfangreichen internationalen Sanktionen gegen Iran, die seit Jahrzehnten andauern und zuletzt 2025 erneuert wurden. Das Land wird zudem beschuldigt, Waffen an Russland und an von den USA als terroristisch eingestufte Gruppen wie die Hisbollah und die Huthis zu liefern.
Experten zweifeln an einem funktionierenden Online-Shop
Trotz der Schlagzeilen sind Sicherheitsexperten skeptisch, ob über die Mindex-Website tatsächlich nennenswerte Krypto-Summen fließen werden. Ari Redbord, Global Head of Policy bei TRM Labs, widerspricht der Vorstellung eines „Amazon-ähnlichen Storefronts“ für iranische Waffen.
„So werden souveräne Waffentransfers im Allgemeinen einfach nicht abgewickelt“, so Redbord gegenüber Decrypt.
Seine Analyse der Website ergab erhebliche Mängel für einen echten E-Commerce-Betrieb:
- Keine Preise, Mengen oder Lieferzeiten
- Kein Warenkorb, kein Checkout-Prozess
- Keine integrierte Krypto-Zahlungsinfrastruktur oder öffentlichen Wallet-Adressen
- Die einzige Aktion ist „Zu LOI hinzufügen“ (Letter of Intent – Absichtserklärung)
Statt eines Kaufs füllt der Interessent ein umfangreiches Formular zur Selbstidentifikation aus. Redbord sieht Mindex daher primär als „Signal- und Aufnahmemechanismus“. Krypto sei nur eine von mehreren, vertraglich zu vereinbarenden Zahlungsoptionen neben Tauschgeschäften.
Irans reale Nutzung von Krypto zur Sanktionsumgehung
Unabhängig von der Mindex-Website ist Iran ein früher und aktiver Adopter von Kryptowährungen, um Sanktionen zu umgehen. Andrew Fierman, Head of National Security Intelligence bei Chainalysis, bestätigt dies.
„Angesichts der Sanktionen im Iran ist Kryptowährung zu einer alternativen Zahlungsschiene geworden, um grenzüberschreitenden Handel sowie Überweisungen zu erleichtern“, so Fierman.
Die islamischen Revolutionsgarden und ihre Netzwerke hätten ihren Einsatz von Kryptowährungen ausgeweitet, um:
- Geldwäsche zu betreiben
- Illegale Ölverkäufe abzuwickeln
- Die Beschaffung von Waffen und Waren zu finanzieren
Die identifizierten Transaktionsvolumen liegen laut Fierman derzeit bei über 2 Milliarden US-Dollar. Gruppen wie Hisbollah, Hamas und die Huthis nutzten Krypto in bisher nicht dagewesenen Maßstäben.
Die zweischneidige Klinge der Blockchain-Transparenz
Während Krypto Iran neue Kanäle eröffnet, bietet die inhärente Transparenz der Blockchain auch Strafverfolgungsbehörden neue Werkzeuge. Fierman verweist auf ein Beispiel vom September letzten Jahres:
Das US-Finanzministerium (OFAC) sanktionierte damals zwei Iraner und ein Netzwerk von Briefkastenfirmen in Hongkong und den VAE. Diese hatten Krypto-Transaktionen koordiniert, um die Erlöse aus etwa 100 Millionen Dollar an Ölverkäufen zu waschen. Die Gelder flossen letztlich an die iranischen Revolutionsgarden und das Verteidigungsministerium.
„Die Komplexität dieses Netzwerks zeigt die Herausforderungen auf, moderne Sanktionsumgehungsschemata aufzudecken und zu unterbrechen. Es zeigt aber auch, wie die Transparenz der Blockchain beispiellose Möglichkeiten bietet, komplexe Netzwerke zu identifizieren und zu zerschlagen.“
Die Ankündigung Irans ist somit vor allem ein starkes politisches Signal. Sie unterstreicht die zunehmende Rolle von Kryptowährungen in der geopolitischen Arena – sowohl als Werkzeug für sanktionierte Staaten als auch als neue Front für die internationale Finanzüberwachung.