Humanity Protocol: H-Token stürzt nach Hack um 85 Prozent ab
Ein geknackter Laptop mit unzureichend gesicherten Private Keys führte zu einem Verlust von über 36 Millionen US-Dollar. Der Token des Dezentralen-Identitäts-Projekts verlor binnen Stunden fast seinen gesamten Wert.
Veröffentlicht
12. Juni 2026

Ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall hat das dezentrale Identitätsprojekt Humanity Protocol getroffen und dessen Token H innerhalb weniger Stunden fast vollständig entwertet. Der Kurs stürzte von 0,72 US-Dollar auf bis zu 0,10 US-Dollar ab – ein Minus von rund 85 Prozent. Aktuell notiert der Coin bei etwa 0,18 US-Dollar und hat damit die Gewinne der vergangenen drei Wochen vollständig zunichtegemacht.
Private Keys auf Entwickler-Laptop – fatale Sicherheitslücke
Auslöser des Hacks war nach Angaben des Projekts ein kompromittierter Laptop eines Mitarbeiters. Auf diesem Rechner waren Private Keys gespeichert, die für kettenübergreifende Transaktionen benötigt wurden. Eine Malware-Infektion habe den Angreifern den Zugriff auf diese Schlüssel ermöglicht. In einer Stellungnahme räumte Humanity Protocol ein:
„Der Angriff wurde allein durch die Kompromittierung von Private Keys ermöglicht – die Folge unzureichender Aufbewahrungspraktiken: Produktionsrelevante Signier-Keys wurden auf einer allgemeinen Entwicklungsmaschine statt in isolierter Hardware gesichert. Dies ist ein menschliches und operatives Sicherheitsversagen.“
Die Hacker griffen zeitgleich auf Ethereum und der Binance Smart Chain (BSC) zu. Insgesamt erbeuteten sie Token im Wert von über 36 Millionen US-Dollar – die gestohlenen Bestände wurden umgehend auf Börsen abgeschoben und verkauft.
Hebelwirkung verstärkte Crash
Die Analyseplattform Santiment wies darauf hin, dass nicht allein der Hack selbst den derart heftigen Kurssturz verursachte. Innerhalb von sechs Stunden gelangten rund 22,8 Millionen H-Token auf Handelsplattformen – der größte einzelne Zufluss in einem so kurzen Zeitfenster seit Beginn der Kursrallye. Diese massive Verkaufswelle habe den Preis durch Hebelpositionen zusätzlich in die Tiefe gerissen, so Santiment.
Lehren für Anleger und Projekte
Der Vorfall bei Humanity Protocol ist ein weiteres Beispiel dafür, wie fatale operative Fehler in der Kryptobranche wirken können. Die unsachgemäße Lagerung von Private Keys, obwohl Hardware-Wallets und Multi-Signatur-Lösungen längst Standard sein sollten, bleibt eine immer wiederkehrende Schwachstelle. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung solcher Verluste relevant: Kursverluste durch Hacks sind in der Regel steuerlich nicht absetzbar, es sei denn, der Token wird vor Ablauf der Haltefrist verkauft – was in diesem Crash-Szenario für viele Halter fatale Folgen haben dürfte.