Radiant Capital stellt DAO-Betrieb ein – Ende nach
18 Monate nach dem schweren Exploit im Oktober 2024 zieht das DeFi-Protokoll die Reißleine. Nutzer können noch bis Ende 2026 Gelder abziehen, doch die Weichen sind auf Abwicklung gestellt.
Veröffentlicht
3. Juni 2026

Das DeFi-Protokoll Radiant Capital stellt seinen DAO-Betrieb ein. Die Entscheidung fällt 18 Monate nach einem schweren Exploit im Oktober 2024, bei dem Hacker rund 50 Millionen US-Dollar erbeuteten. Das Team gab bekannt, dass eine Wiederherstellung der gestohlenen Gelder ebenso wenig gelang wie die Gewinnung neuen Kapitals oder die Sicherung der operativen Nachhaltigkeit.
„Der Exploit hat die Nachhaltigkeit des DAO massiv untergraben“, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Der Total Value Locked (TVL) des Protokolls brach unmittelbar nach dem Angriff von 386 Millionen auf fünf Millionen Dollar ein – eine Zahl, von der sich das Projekt nie mehr erholte.
Was für Nutzer jetzt gilt
Radiant Capital wird nicht vollständig abgeschaltet. Bis Ende 2026 läuft ein abgespeckter Wartungsmodus:
- Nutzer können weiterhin Gelder abheben, Kredite zurückzahlen und offene Positionen verwalten
- Die Smart Contracts und das Frontend bleiben zugänglich
- Die Emission neuer RDNT-Token wurde eingestellt
- Kreditaufnahmen sind auf allen Märkten deaktiviert
- Das Entschädigungsportal für betroffene Nutzer bleibt dauerhaft geöffnet
Das Team arbeitet weiter mit der Analysefirma zeroShadow zusammen, um gestohlene Gelder aufzuspüren und zurückzuholen.
Marktkontext: Die Exploit-Welle rollt weiter
Radiant Capital war bereits im Januar 2024 von einem Angriff in Höhe von rund 1.900 Ethereum (ETH) getroffen worden. Der Oktober-Hack war dann der endgültige Tiefschlag. Nach Daten von DefiLlama summierten sich die Verluste durch DeFi-Hacks seit 2020 auf über 17 Milliarden US-Dollar. Allein im April 2026 erbeuteten Hacker Hunderte Millionen, darunter ein Rekord-Exploit von 293 Millionen Dollar bei Kelp DAO.
Experten weisen zudem auf den zunehmenden Einsatz von KI durch Kriminelle hin. Algorithmen, die Schwachstellen in Smart Contracts automatisiert erkennen, setzen ältere Protokolle aus den Jahren 2022 und 2023 noch stärker unter Druck. Viele dieser Projekte stehen inzwischen vor der vollständigen Schließung.
Einordnung für Anleger im DACH-Raum
Der Fall Radiant Capital unterstreicht ein strukturelles Risiko im DeFi-Sektor: Einmal erodiertes Vertrauen lässt sich selbst durch technische Korrektheit nicht wiederherstellen. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Behandlung solcher Verluste relevant. Nach § 22 EStG können Totalverluste aus Krypto-Transaktionen unter bestimmten Umständen als Veräußerungsverluste geltend gemacht werden – Voraussetzung ist jedoch die vollständige und endgültige Wertlosigkeit des Tokens. Die Einstellung des DAO-Betriebs dürfte als starkes Indiz dafür gewertet werden.