CZ erwägt Comeback von Binance.US für US-Krypto-Händler
Binance-Gründer Changpeng Zhao sieht verbesserte Regulierung in den USA, aber schlechtere Liquidität für US-Trader. BNB Chain soll künftig Zahlungen zwischen KI-Agenten abwickeln.
Veröffentlicht
8. Mai 2026

Changpeng Zhao hat auf der Consensus Miami 2026 eine Idee ins Spiel gebracht, die den Kryptomarkt in den USA neu ordnen könnte: ein Wiederbeleben von Binance.US. Der Plattform, die nach jahrelangem regulatorischem Druck und rechtlichen Problemen von Binance nur noch eine Schattenexistenz fristete, will der Unternehmensgründer wieder Zugang zur globalen Krypto-Liquidität verschaffen – für US-Trader, die seiner Ansicht nach derzeit zu schlechteren Konditionen handeln als der Rest der Welt.
„Die beste Liquidität in Krypto befindet sich außerhalb der USA“, sagte Zhao laut einem Bericht von CoinDesk. US-Trader hätten in kaum einem anderen Markt einen derartigen Nachteil bei der Preisbildung. Binance besitze die tiefste Liquidität der Branche – und die wolle er US-Kunden „irgendwie“ zugänglich machen.
Zwei Optionen für den Markteintritt
Zhao nannte zwei konkrete Wege: die Wiederbelebung von Binance.US oder ein gänzlich neues Vehikel. Einen offiziellen Launch kündigte er nicht an, doch die Aussage signalisiert eine strategische Kehrtwende. Erst im vergangenen Jahr wurde Zhao nach vier Monaten Haft aus der Gerichtsbarkeit der USA entlassen – und begnadigt von Präsident Donald Trump. Nun spricht er von einem „enormen Wandel“ der US-Politik gegenüber Kryptowährungen im „letzten eineinhalb Jahren“. Die USA seien inzwischen weltweit führend in der Krypto-Regulierung – ein Satz, den man von Zhao vor wenigen Jahren kaum gehört hätte.
Die operative Rückkehr bereitet Binance.US unter CEO Stephen Gregory bereits vor. Der Plan umfasst nicht nur den Spot-Handel, sondern auch Derivate und Prognosemärkte. Das wäre eine erhebliche Ausweitung des Angebots im Vergleich zur bisher stark eingeschränkten Plattform.
BNB Chain als Zahlungsnetz für KI-Agenten
Zhao nutzte den Auftritt zudem für einen ambitionierten Ausblick: BNB Chain solle zur Infrastruktur für Zahlungen zwischen KI-Agenten werden. Kreditkarten hätten keine APIs, sagte Zhao. Blockchains dagegen seien programmierbar, weltweit verfügbar und rund um die Uhr aktiv – die natürliche Grundlage für eine automatisierte Wirtschaft, in der Maschinen untereinander Werte transferieren.
„BNB Chain sollte einfach das Geld für die Agenten sein“, so Zhao. Er betonte, der Markt stecke noch in den Anfängen – die Aussage sei strategisch, nicht operativ. Dennoch passt die Vision in den Trend, dass immer mehr Layer-1-Netzwerke versuchen, sich als Basis für Mikrotransaktionen und maschinengesteuerte Ökonomien zu positionieren.
Institutionelle Nachfrage nach BNB als Chance
Im selben Atemzug kritisierte Zhao die schwache US-Präsenz von BNB Chain. Die Blockchain habe dort aufgrund der zurückgefahrenen Aktivitäten von Binance kaum institutionelle Verbreitung gefunden. Das könne sich nun ändern: YZi Labs – früher Binance Labs – hat einen 1-Milliarden-Dollar-Fonds für BNB-Projekte aufgelegt. Zhao sprach offen von einer „Chance für BNB-Investoren“, wenn Institutionen einsteigen. Der Token hinke anderen großen Kryptowährungen bei ETF-Produkten und institutionellem Zugang hinterher – ein historisches Defizit, das sich aber wandeln könnte.
Ob Binance.US tatsächlich neu startet, bleibt offen. Die Signale aus Miami sind jedoch klar: Der US-Markt rückt wieder ins strategische Zentrum des Binance-Ökosystems. Für deutsche und österreichische Anleger bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant – insbesondere falls Binance.US künftig auch grenzüberschreitend aktiv wird und sich die Frage der Besteuerung von US-Derivaten oder Prognosemärkten nach § 23 EStG neu stellt.