Bitcoin bleibt Diversifikator trotz steigender Aktien-Korrelation
Eine Analyse von NYDIG zeigt, dass nur ein Viertel von Bitcoins Kursbewegungen durch den Aktienmarkt erklärt wird. Der Großteil folgt weiterhin kryptospezifischen Faktoren.
Datum
9. März 2026

Key Takeaways:
- Die 90-Tage-Korrelation von Bitcoin zu Aktienindizes liegt bei etwa 0,5.
- Das bedeutet, dass nur rund 25 % der Kursbewegungen durch den Aktienmarkt erklärt werden.
- Die verbleibenden 75 % werden von kryptospezifischen Faktoren getrieben.
- NYDIG-Forscher Greg Cipolaro sieht darin keinen Widerspruch zu Bitcoins Rolle als Portfolio-Diversifikator.
Bitcoin und Aktien: Eine vorübergehende Annäherung
In den letzten Monaten hat sich Bitcoin zunehmend synchron mit großen US-Aktienindizes bewegt. Dazu zählen der S&P 500, der Nasdaq 100 und der software-lastige IGV ETF. Diese Entwicklung hat einige Marktbeobachter zu der Aussage verleitet, Bitcoin handele sich inzwischen wie ein Stellvertreter für Technologieaktien.
Greg Cipolaro, Global Head of Research beim Finanzdienstleister NYDIG, widerspricht dieser Einschätzung in einer aktuellen Marktanalyse fundamental. Sein zentrales Argument: Selbst bei einer Korrelation von rund 0,5 erklärt der Aktienmarkt nur einen Bruchteil von Bitcoins Volatilität.
„Während die korrelationsbasierten Beziehungen zu Aktien derzeit erhöht sind, bestimmen sie bei Weitem nicht die Renditen von Bitcoin“, schreibt Cipolaro.
Die Mathematik hinter der Diversifikation
Statistisch gesehen bedeutet ein Korrelationskoeffizient von 0,5, dass etwa ein Viertel der Preisänderungen durch Aktienmarktfaktoren getrieben wird. Die überwiegenden drei Viertel hingegen hängen von Kräften ab, die einzigartig für den Kryptomarkt sind.
Zu diesen kryptospezifischen Treibern zählen:
- Kapitalströme in Bitcoin-ETFs und andere Fondsprodukte.
- Verschiebungen in der Derivate-Positionierung (Futures, Optionen).
- Trends in der Netzwerkadoption und Aktivität.
- Regulatorische Entwicklungen weltweit.
Cipolaro betont, dass die aktuelle Preisangleichung wahrscheinlich das makroökonomische Umfeld widerspiegelt – und keinen strukturellen Verschmelzungsprozess der Anlageklassen. Sowohl Bitcoin als auch Wachstumsaktien reagieren empfindlich auf:
- Die globale Liquiditätslage.
- Die Risikobereitschaft der Investoren.
Die Debatte verschiebt sich: Vom Überleben zur Reservewährung
Die NYDIG-Analyse geht auch auf die jüngsten kontroversen Äußerungen prominenter Investoren ein. Frühe Befürworter wie Chamath Palihapitiya und Ray Dalio stellen in Frage, ob Bitcoin die Anforderungen einer Zentralbank-Reservewährung erfüllen kann.
Cipolaro interpretiert diese Kritik nicht als Abkehr, sondern als evolutionären Schritt der Diskussion:
- Früher ging es um die Frage: Kann Bitcoin überhaupt überleben?
- Heute lautet die Frage: Kann es als Reserve-Asset für Staaten dienen?
Dalio verweist seit Jahren auf Bitcoins Volatilität, regulatorische Risiken und langfristige technologische Bedrohungen wie den Quantencomputing-Fortschritt. Palihapitiya, der Bitcoin einst als „Gold 2.0“ bezeichnete, hinterfragt nun dessen Eignung für staatliche Bilanzbücher.
Institutionelle Adoption folgt einem einzigartigen Pfad
Laut Cipolaro spiegeln diese Kritiken den Wandel wider, den Bitcoin durchläuft: vom retail-getriebenen Experiment hin zu einem institutionell gehaltenen Vermögenswert. Interessant ist der Adoptionspfad:
- Traditionelle Finanzinnovationen beginnen oft mit institutionellem Kapital.
- Bitcoin hingegen wuchs von Einzelpersonen zu Family Offices, Asset Managern und schließlich zu ETFs.
„Das Eigentum von Zentralbanken könnte die Anlageklasse letztlich weiter validieren, aber es ist keine Voraussetzung für weiteres Wachstum“, so Cipolaro. Die eigentliche Wertgrundlage liege anderswo.
Der bleibende Kernwert von Bitcoin
Abschließend unterstreicht die Analyse die fundamentalen Eigenschaften, die Bitcoin unabhängig von kurzfristigen Korrelationen seinen Wert verleihen:
- Ein global verteiltes Netzwerk mit politischer Neutralität.
- Technische und ökonomische Eigenschaften, die zensurresistente Wertübertragung ermöglichen.
- Digitale Knappheit und ein Betrieb frei von jeder einzelnen Regierung oder monetären Autorität.
Für Anleger bedeutet dies: Trotz phasenweiser Gleichläufigkeit mit den Aktienmärkten behält Bitcoin sein einzigartiges Risiko-Rendite-Profil – und damit seinen Platz als effektiver Portfolio-Diversifikator.