Bitcoin fällt auf 67.000 Dollar – Sieben-Wochen-Tief
Geopolitische Sorgen und institutionelle Verkäufe drücken den Kurs. Ethereum notiert unter 2.000 Dollar, während Long-Positionen in Milliardenhöhe liquidiert werden.
Veröffentlicht
4. Juni 2026

Der Bitcoin-Kurs ist am Montag unter die Marke von 70.000 Dollar gerutscht und notiert so niedrig wie zuletzt Anfang April. In den vergangenen 24 Stunden verlor die älteste Kryptowährung mehr als fünf Prozent und fiel zwischenzeitlich auf rund 67.000 Dollar. Ethereum gab um 1,7 Prozent nach und liegt weiter unter der psychologisch wichtigen 2.000-Dollar-Marke.
Der Abverkauf beschleunigte sich am Wochenende. Analysten verweisen auf ein Bündel an Faktoren: geopolitische Spannungen, zunehmende Risikoaversion an den globalen Märkten – und konkrete Bewegungen eines der größten institutionellen Bitcoin-Halter.
Strategie verkauft Bitcoin – Markt reagiert nervös
Eine der treibenden Kräfte hinter dem jüngsten Kursrutsch dürfte ein Verkauf des Unternehmens Strategy (ehemals MicroStrategy) sein. Der weltweit größte institutionelle Bitcoin-Besitzer veräußerte eigenen Angaben zufolge Bitcoin im Wert von rund 2,5 Millionen Dollar. Zudem transferierte das Unternehmen in der Vorwoche etwa 30 Millionen Dollar in Bitcoin an eine Börsen-Wallet. Solche Transfers werden von Händlern häufig als Vorbereitung auf weitere Verkäufe interpretiert. Die Erwartung neuer Verkaufsdruckes habe sich dadurch verstärkt, so Marktteilnehmer.
Fast 770 Millionen Dollar an Liquidationen
Die Abwärtsbewegung hat in den Derivatemärkten deutliche Spuren hinterlassen. Innerhalb von 24 Stunden wurden nach Angaben von CoinGlass Krypto-Futures im Wert von fast 768 Millionen Dollar liquidiert. Der überwiegende Teil entfiel auf Long-Positionen, also Wetten auf steigende Kurse – allein bei Bitcoin rund 448 Millionen Dollar, bei Ethereum etwa 92 Millionen Dollar. Solche Zwangsglattstellungen verstärken in der Regel den Abwärtstrend kurzfristig.
KI-Tokens trotzen dem Trend – Altcoins im Minus
Der breite Markt verzeichnet Verluste, doch es gibt Ausnahmen. Das Token des Projekts Humanity Protocol legte am Montag um 18 Prozent zu – seit Ende Mai summiert sich das Plus auf 278 Prozent. Das unterstreicht, wie sehr spekulative Narrative wie Künstliche Intelligenz derzeit einzelne Assets vom Gesamtmarkt abkoppeln können. Die meisten anderen größeren Altcoins gaben dagegen nach: Stellar verlor mehr als sechs Prozent, Sui und ETHFI jeweils rund drei Prozent.
Kein digitales Gold – Bitcoin verhält sich wie ein riskanter Vermögenswert
Bitcoin wird seit Jahren immer wieder als „digitales Gold“ beworben – eine Absicherung gegen Inflation und geopolitische Unsicherheit. Die Realität sieht derzeit anders aus. In Phasen geopolitischer Krisen – dem Ukraine-Krieg, den Spannungen zwischen Israel und dem Iran oder dem Hamas-Angriff im Oktober 2023 – reagierte Bitcoin bislang eher wie andere Risikoanlagen: Händler flüchteten in Cash, den Dollar oder klassisches Gold. Auch diesmal zeigen historische Muster Wirkung.
Allerdings gibt es einen Unterschied: Nach vergleichbaren Schocks erholte sich der Kurs jeweils innerhalb weniger Wochen. Nach der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 etwa verlor Bitcoin zunächst massiv, machte die Verluste aber binnen weniger Wochen größtenteils wett. Ein ähnliches Muster zeigte sich im April 2024 nach den israelisch-iranischen Spannungen.
Ob diesmal eine rasche Erholung gelingt, hängt auch davon ab, ob die institutionellen Verkäufe anhalten. Für Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Wer Bitcoin innerhalb der einjährigen Haltefrist verkauft, muss Gewinne gemäß § 23 EStG versteuern – unabhängig davon, ob der Kurs sich gerade von einem geopolitisch bedingten Einbruch erholt.