Bitcoin-Rallye trifft auf anhaltende Short-Welle: Eine Phase des
Funding-Raten und Futures-Basis bleiben negativ trotz steigender Kurse. Analysten sehen sowohl Risiken als auch Chancen für eine mögliche Short-Squeeze.
Veröffentlicht
25. April 2026

Bitcoin notiert bei rund 77.800 US-Dollar und hat damit in den vergangenen vier Wochen spürbar zugelegt. Doch die Derivate-Märkte erzählen eine andere Geschichte: Trader setzen weiterhin auf fallende Kurse, während der Spotpreis steigt. Analysten sprechen von einer "Phase des Unglaubens" – ein Zustand, der in beide Richtungen kippen kann.
Negative Funding-Raten trotz steigender Kurse
CryptoQuant-Mitarbeiter Darkfost hat die kumulierten Funding-Raten auf Binance über 30 Tage analysiert. Sein Befund: Sie liegen bei rund -4,5 Prozent, was bedeutet, dass Short-Positionen im Durchschnitt Geld an Long-Halter zahlen. Das ist ungewöhnlich für einen Aufwärtstrend. Zum Vergleich: Ende 2022, als Bitcoin aus dem Bärenmarkt kam, lag der Wert zeitweise bei -7 Prozent.
"Jedes Mal, wenn sich eine so starke Konsensbildung gegen den Trend etabliert hat, trug sie dazu bei, einen Boden zu formen und die entstehende Rallye zu befeuern", so Darkfost auf X. Der Markt befinde sich in einer Phase, in der Händler lieber gegen den Trend kämpfen, als ihm zu folgen.
Futures-Prämie kollabiert – Bullen verlieren Rückgrat
Der On-Chain-Analyst Axel Adler Jr. betrachtet dieselben Daten aus einer vorsichtigeren Perspektive. In seinem Markt-Update vom 23. April warnt er, dass die Derivate-Struktur von Bitcoin "rapide an bullischem Charakter verliere". Die 7-Tage-Basis – der Aufschlag von Futures auf den Spotpreis – sei in nur vier Tagen von +0,465 Prozent auf +0,054 Prozent gefallen. Fast null.
"Das ist keine lokale Abkühlung, sondern fast das vollständige Verschwinden der Futures-Prämie", schreibt Adler. Gleichzeitig bleibe der 30-Tage-Durchschnitt der Funding-Rate mit -0,00945 Prozent negativ. Entscheidend sei nicht der Moment, sondern die anhaltende Tendenz: "Der Markt zahlt kontinuierlich für Short-Exposure."
Zwei Lesarten, eine Divergenz
Die beiden Analysten interpretieren die gleiche Konstellation unterschiedlich. Darkfost sieht in der hartnäckigen Short-Positionierung einen potenziellen Katalysator für eine Short-Squeeze – also eine beschleunigte Aufwärtsbewegung, wenn überraschend viele Short-Positionen glattgestellt werden müssen. Adler hingegen warnt, dass die Rallye auf immer brüchigerem Fundament stehe, solange Basis und Funding nicht anziehen.
Für Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die Frage entscheidend, ob sich das Sentiment dreht. Ein nachhaltiger Ausbruch über die aktuellen Widerstände würde die Short-Seite unter Druck setzen. Scheitert die Rallye jedoch, könnten die vielen Short-Positionen rasch Verstärkung erhalten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Phase des Unglaubens in neues Vertrauen oder in eine scharfe Korrektur mündet.