30-jährige US-Anleihen: Rendite auf Höchststand seit 2007
Steigende Zinsen und neue Inflationssorgen setzen Bitcoin unter Druck – der Kurs fällt auf 76.800 Dollar. Der Konflikt mit dem Iran treibt die Energiepreise.
Veröffentlicht
20. Mai 2026

Das sind die höchsten Sätze seit Juli 2007: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte am Dienstag auf 5,19 Prozent. Für den Kryptomarkt ist das ein klares Warnsignal. Denn steigende Renditen an den Anleihemärkten entziehen riskanteren Anlageklassen wie Bitcoin tendenziell Kapital.
Die Folgen sind bereits sichtbar. Der Bitcoin-Kurs fiel innerhalb einer Woche um rund sechs Prozent – von 81.100 auf 76.800 Dollar. Ein Niveau, das die älteste Kryptowährung zuletzt Anfang Mai notiert hatte. Der Rückgang ist nach Einschätzung von Analysten unter anderem auf die Entwicklung am Rentenmarkt zurückzuführen.
Energiepreise treiben die Inflationserwartung
Der Anstieg der Anleiherenditen hängt unmittelbar mit dem Anstieg der Energiepreise zusammen. Auslöser ist der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der Ende Februar begann. Seither liegt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Öltransport – nahezu still. Rund 20 Prozent des weltweit geförderten Rohöls passieren normalerweise diese Passage.
Die Folgen für die Preise sind massiv: Rohöl notiert seit fast zwei Monaten bei über 100 Dollar pro Barrel – ein Niveau, das zuletzt 2022 erreicht worden war. Der US-Erzeugerpreisindex (PPI) stieg im April auf sechs Prozent im Jahresvergleich, nach 4,3 Prozent im März. Die Verbraucherpreisinflation (CPI) kletterte auf 3,8 Prozent. Beide Werte markieren die höchsten Stände seit 2023.
„Die Inflation zeigt sich in ihrer schlimmsten Ausprägung seit der Erholungsphase nach der Pandemie“, kommentierten die Analysten des Finanzbriefings The Kobeissi Letter. „Steigende Inflation zwingt die langfristigen Zinsen nach oben, um Kreditgeber für das höhere Risiko zu entschädigen.“
Die Zwickmühle der Fed
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) steckt in einem Dilemma. Steigende Renditen am langen Ende bedeuten, dass der Markt höhere Zinsen erwartet. Eine weitere Anhebung der Leitzinsen wäre jedoch riskant. Der Investor Quinten François sieht die Fed regelrecht in die Enge getrieben: „Der Markt treibt die Fed in eine Ecke. Sie hat nur zwei Optionen: wieder Geld drucken oder das System unter der Schuldenlast kollabieren lassen.“ Im Klartext: Eine Rückkehr zur Geldmengenausweitung – langfristig ein potenzieller Treiber für Bitcoin – dürfte wahrscheinlicher sein als eine ungebremste Zinserhöhung.
Analysten von Barclays rechnen unterdessen damit, dass die Rendite 30-jähriger US-Anleihen sogar die 5,5-Prozent-Marke überschreiten könnte – ein Wert, der zuletzt im Jahr 2004 erreicht wurde. Für Bitcoin und andere Kryptowährungen bedeutet das zunächst Gegenwind. Denn festverzinsliche, staatlich garantierte Wertpapiere werden im Vergleich zu risikoreichen Assets wie Kryptowährungen zunehmend attraktiver.
Weltweite Ansteckungseffekte
Die Krise beschränkt sich nicht auf die USA. In Japan, das stark von Energieimporten abhängig ist, sind die Renditen für Staatsanleihen ebenfalls deutlich gestiegen. Die dortige Inflationsrate hat sich infolge der hohen Ölpreise beschleunigt. Der globale Zinsdruck bleibt damit hoch.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung ein weiterer Beleg dafür, dass geopolitische Risiken direkt auf die Bewertung digitaler Vermögenswerte durchschlagen. Die steuerliche Behandlung von Kursgewinnen – etwa gemäß § 23 EStG mit der einjährigen Haltefrist für private Veräußerungsgeschäfte – bleibt auch in diesem Umfeld relevant. Wer Bitcoin unter einem Jahr hält, muss Spekulationsgewinne weiterhin als sonstige Einkünfte versteuern.