Unternehmen ziehen doppelt so viel ETH aus dem Markt wie neu
Öffentliche Firmen wie Bitmine Immersion Technologies horten Ether als strategische Reserve. Ihre Netto-Käufe übertreffen die Netto-Emission des Netzwerks deutlich.
Veröffentlicht
20. März 2026

Die Netto-Emission der Ethereum-Blockchain lag in den letzten 30 Tagen bei 82.550 neu geschaffenen Ether. Öffentliche Unternehmen haben im gleichen Zeitraum jedoch netto 164.100 ETH aus dem Markt gezogen – und damit das Doppelte der Neuemission absorbiert. Diese strategische Hortung durch Firmenkassen verringert das frei handelbare Angebot spürbar.
Das Phänomen beschleunigt die Reduktion der zirkulierenden Menge. Gelangt der Ether einmal in eine Unternehmensbilanz als langfristige Wertreserve, bleibt er oft für längere Zeit gebunden. „Dieser Faktor beschleunigt die Rate, mit der das verfügbare Angebot schrumpft“, analysieren Marktbeobachter.
Bitmine Immersion Technologies als größter Akteur
Anführer dieser Bewegung ist Bitmine Immersion Technologies (BMNR). Das börsennotierte Unternehmen kündigte erst kürzlich den Zukauf von knapp 61.000 ETH im Wert von etwa 140 Millionen US-Dollar an. Damit hält die Firma nun rund 4,6 Millionen Ether – das entspricht 3,81% des Gesamtangebots und einem Wert von über 10 Milliarden Dollar.
Thomas Lee, Präsident des Unternehmens, begründet die Strategie mit makroökonomischen Unsicherheiten: „Seit Beginn des Konflikts mit Iran haben digitale Assets eine Outperformance gezeigt, wobei Ether den S&P 500 übertroffen hat. Der Ölpreisanstieg nährt Sorgen um das globale Wachstum und treibt Investoren zu Software- und Krypto-Unternehmen mit hohem Expansionspotenzial.“
Staking als passive Akkumulationsstrategie
Nicht alle Unternehmen kaufen aktiv nach. Einige große Treasury-Halter wie Sharplink – mit der zweitgrößten ETH-Position von 868.699 Ether – setzen auf Staking, um ihre Bestände passiv zu vermehren. Das Unternehmen gab an, im Februar allein durch Staking-Ertäge 15.464 ETH akkumuliert zu haben. „Jede Woche generiert unser ETH mehr ETH. Das ist Ethereum mit Vorteil“, kommentierte Sharplink.
Ein ähnliches Muster zeigt Bit Digital auf Platz fünf der Ranking-Liste. Durch Staking von 89% ihrer Halte erhöhte sich der Bestand zwischen Januar und Februar von 155.239 auf 155.434 ETH – ein Nettozuwachs von etwa 195 Ether ohne zusätzlichen Kapitaleinsatz.
Gesamtbild und Marktimplikationen
Laut Daten von strategicethreserve.xyz halten aktuell 67 börsennotierte Entitäten insgesamt 7,27 Millionen ETH in ihren Treasuries. Das sind etwa 6% des globalen Angebots. Während die Mehrheit akkumuliert, gibt es auch Gegenbeispiele: Die Firma ETHZilla etwa hat ihre Strategie geändert, firmiert nun als Forum Markets (FRMM) und konzentriert sich auf Finanzinfrastruktur und Tokenisierung statt auf reine ETH-Akkumulation.
Trotz eines Kursrückgangs von etwa 52% in den letzten Monaten wird das effektiv handelbare Angebot von Ether somit immer knapper. Leon Waidmann, Forschungschef bei Lisk, sieht darin eine fundamentale Vorbereitung für künftige Preisbewegungen: „Das wachsende Vertrauen der Treasuries und institutionelle Käufe bereiten den Boden für eine Verknappung, die den Preis antreiben könnte, sobald die Nachfrage wieder anzieht.“
Für Anleger im DACH-Raum ist diese Entwicklung aus mehreren Perspektiven relevant. Einerseits wirkt die Verknappung durch institutionelle Halter preisstützend. Andererseits stellt sich die steuerliche Frage: Werden diese Ether-Bestände in Unternehmensbilanzen als Umlauf- oder Anlagevermögen geführt, und welche Auswirkungen hat das auf die steuerliche Behandlung möglicher Veräußerungsgewinne? Die zunehmende Institutionalisierung von Ethereum wirft somit auch regulatorische und bilanzielle Fragen auf, die über den reinen Markteffekt hinausgehen.