Stablecoin-Transaktionsvolumen übertrifft erstmals
Im Februar flossen 7,2 Billionen Dollar über Stablecoins – mehr als über das zentrale US-Zahlungsnetzwerk ACH. Die digitale Infrastruktur wächst rasant.
Veröffentlicht
4. April 2026

Im Februar 2026 erreichte das Transaktionsvolumen von Stablecoins einen historischen Meilenstein: Es überstieg erstmals das Volumen des US-amerikanischen Automated Clearing House (ACH)-Netzwerks, dem Rückgrat des nationalen Zahlungsverkehrs. Laut Daten der Analyseplattform Artemis belief sich das 30-Tage-rollierende, bereinigte Stablecoin-Volumen auf 7,2 Billionen US-Dollar. Das ACH-Netzwerk kam im gleichen Zeitraum auf 6,8 Billionen Dollar.
Die Zahlen sind bemerkenswert, da das ACH-Netzwerk nach Angaben der Aufsichtsorganisation Nacha etwa 93 Prozent aller US-Gehaltszahlungen abwickelt. Analyst Alex Obchakevich kommentierte die Entwicklung auf X: "Stablecoins werden leise zur grundlegenden Infrastruktur für globale Zahlungen: keine Banken, keine Wochenenden, keine Grenzen."
Stetiges Wachstum gegenüber etablierten Systemen
Die Daten zeigen einen klaren Trend: Das Volumen von Stablecoins wächst seit Jahren kontinuierlich und hat nicht nur das ACH-Netzwerk, sondern in der Relation auch die Volumina von Zahlungsdienstleistern wie Visa und PayPal deutlich überholt. Im März setzte sich der Aufwärtstrend fort – das bereinigte 30-Tage-Volumen erreichte einen neuen Rekord von 7,5 Billionen Dollar.
Die Analyse von Artemis schließt dabei Transaktionen aus, die auf maximal extractable value (MEV) zurückgehen oder rein innerhalb von zentralen Börsenplattformen stattfinden. Es misst damit den "echten" Zahlungsverkehr auf den Blockchains.
Treiber: Regulatorik und institutionelle Nachfrage
Ein wesentlicher Treiber für diese Entwicklung ist die zunehmende Akzeptanz durch institutionelle Anleger in einem sich erwärmenden regulatorischen Umfeld. Im ersten Quartal 2026 erreichte die gesamte im Umlauf befindliche Stablecoin-Menge laut CEX.IO Daten 315 Milliarden Dollar, ein Plus von 8 Milliarden gegenüber dem Vorjahresquartal. Stablecoins machten in diesem Zeitraum 75 Prozent des gesamten Krypto-Handelsvolumens aus – ein Allzeithoch.
Frank Chapparo, Content-Lead beim Trading-Haus GSR, warnte kürzlich, traditionelle Banken und Fintechs seien "Toast", wenn sie das explosive Wachstum des Sektors ignorierten. Er verwies darauf, dass die Gesamtmenge seit 2020 von unter 30 Milliarden auf über 300 Milliarden Dollar gestiegen ist. Als Schlüssel für die institutionelle Adoption gilt vielen Beobachtern der US-amerikanische GENIUS Act. Analysten der Großbank Standard Chartered prognostizieren, dass die Marktkapitalisierung von Stablecoins bis 2028 auf 2 Billionen Dollar ansteigen könnte.
Für Anleger im DACH-Raum unterstreicht diese Entwicklung die wachsende systemische Relevanz von Stablecoins. Während die regulatorische Landschaft in Europa durch die MiCA-Verordnung bereits klarer umrissen ist, bleibt die steuerliche Behandlung von Transaktionen mit Stablecoins wie Tether (USDT) oder USD Coin (USDC) ein praxisrelevantes Thema – insbesondere im Hinblick auf die Spekulationsfrist und die Jahresfreigrenze.