Sequans verkauft Bitcoin-Notgroschen: Aktie stürzt 81% ab
Ein Paradebeispiel für die Risiken der Corporate-Bitcoin-Strategie: Das französische Unternehmen Sequans musste wegen operativer Verluste über 2.000 BTC abstoßen – und steht nun vor einem Scherbenhaufen.
Veröffentlicht
6. Mai 2026

Es war ein mutiger Schritt. Im Juni 2025 verkündete Sequans Communications, ein französischer Chiphersteller, die Bitcoin-Strategie nach dem Vorbild von Michael Saylors Strategy. Das Ziel: die eigene Bilanz mit der vermeintlich wertstabilsten Kryptowährung aufwerten. Knapp ein Jahr später ist davon nicht viel übrig. Statt 3.234 BTC hält das Unternehmen nur noch 1.114 – ein Rückgang um fast zwei Drittel. Der Grund ist kein Abwurf aus Überzeugung, sondern schiere Not.
Liquiditätsdruck erzwingt Bitcoin-Verkäufe
Sequans veröffentlichte gestern seine vorläufigen Quartalszahlen. Demnach sackten die Einnahmen im ersten Quartal 2026 um 12 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ab – auf nur noch 6,1 Millionen Dollar. Das operative Minus summiert sich auf 50 Millionen Dollar allein in den ersten drei Monaten des Jahres. Darin enthalten sind 29 Millionen Dollar an Buchverlusten durch gesunkene Bitcoin-Kurse (Impairment) sowie 11 Millionen Dollar realisierte Verluste aus tatsächlichen Verkäufen.
Die Verkaufsmaschinerie hatte bereits im November des Vorjahres eingesetzt. Seither wurden 2.120 BTC liquidiert. Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können: Nach einem Allzeithoch von 126.000 Dollar im Oktober 2025 stürzte Bitcoin auf unter 60.000 Dollar im Februar 2026 – ein Minus von über 50 Prozent.
Hohe Verpflichtungen – geringer Spielraum
Besonders prekär ist die Lage bei den verbliebenen Beständen. Von den 1.114 BTC sind 817 Stück als Sicherheit hinterlegt – besichert gegen eine Wandelanleihe in Höhe von 35,9 Millionen Dollar. Diese Schuld wird erst zum 1. Juni 2026 fällig. Erst dann stünden die Bitcoin wieder frei zur Verfügung. Ein erneuter Preisverfall könnte die Position des Unternehmens weiter verschlechtern.
Die Märkte reagierten bereits deutlich: Die Aktie von Sequans fiel innerhalb eines Jahres um 81 Prozent – von zeitweise 50 Dollar auf zuletzt nur noch 3,50 Dollar. Das einstige Vorzeigeprojekt europäischer Bitcoin-Adoption ist damit zum warnenden Beispiel geworden.
Lehren für Anleger
Der Fall Sequans zeigt, dass die Nachahmung von Saylors Modell kein Selbstläufer ist. Strategy selbst konnte seine Bitcoin-Bestände in schwierigen Phasen halten, weil das Kerngeschäft genügend Cash generiert. Sequans dagegen hatte nie diesen Rückhalt. Wer als Unternehmen in Bitcoin investiert, braucht entweder einen soliden operativen Cashflow – oder muss jederzeit mit Notverkäufen rechnen.
Für deutsche Anleger und Aktionäre in Europa bleibt die steuerliche Einordnung solcher Corporate-Holdings relevant: Werden Bitcoins unter Druck verkauft, können realisierte Verluste die Bilanz belasten – und im schlimmsten Fall die Unternehmensbewertung nachhaltig schädigen. Der Fall Sequans ist nicht der letzte dieser Art. Er dürfte aber ein besonders instruktiver bleiben.