Saylor deutet Bitcoin-Verkauf an: „Never sell“ könnte schaden
Der Executive Chairman von Strategy stellt das Dogma des nie endenden Haltens infrage – aus Sorge um die Kreditwürdigkeit des Unternehmens und den Wert seiner BTC-Bestände.
Veröffentlicht
18. Mai 2026

Michael Saylor hat eine Diskussion eröffnet, die in der Bitcoin-Community lange als Tabu galt: den möglichen Verkauf von Bitcoin durch sein Unternehmen Strategy. Der Executive Chairman sagte kürzlich in einem Podcast, dass das Festhalten an der strikten „Never sell“-Strategie auf Dauer den Wert des Assets untergraben könnte – und damit auch das Unternehmen selbst.
Glaubwürdigkeit statt Dogma
„Wir besitzen Bitcoin im Wert von rund 65 Milliarden Dollar. Wenn der Markt dächte, wir würden es niemals verkaufen, würden die Ratingagenturen sagen: Dann ist es wohl kein Asset“, erklärte Saylor im Gespräch mit Scott Melker auf The Wolf Of All Streets. Es gehe nicht um einen planmäßigen Ausstieg, sondern um die nötige Flexibilität, um das Vertrauen der Märkte zu erhalten.
Saylor betonte, dass am Bitcoin-Markt Liquidität zwischen 20 und 100 Milliarden Dollar vorhanden sei, die nicht an die Aktie oder Kreditwürdigkeit von Strategy gekoppelt sei. „Wenn wir sagen, wir werden diese Liquidität nie nutzen und dieses Asset nie verwenden, dann schaden wir dem Asset, auf dem 98 Prozent des Unternehmens basieren.“
„Es ist ziemlich wichtig für uns, das Signal zu senden: Wenn wir müssen, können wir.“
Michael Saylor, Executive Chairman Strategy
Kein kompletter Strategiewechsel
Die Äußerungen sind bemerkenswert, denn Saylor hatte über Jahre hinweg die Botschaft „Never sell your Bitcoin“ auf X (ehemals Twitter) verbreitet. Noch am 6. Mai schrieb er: „Kaufe mehr Bitcoin als du verkaufst“ – eine Nuance, die zeigt, dass ein kompletter Ausstieg nicht geplant ist.
Tatsächlich kaufte Strategy zwischen dem 4. und 10. Mai weitere 535 BTC für 43 Millionen Dollar, zu einem Durchschnittspreis von rund 80.340 Dollar pro Coin. Das Unternehmen hält aktuell 818.869 BTC mit einem durchschnittlichen Einstiegspreis von 75.540 Dollar.
Reaktionen in der Bitcoin-Community
Die Andeutung eines möglichen Verkaufs löste in den sozialen Medien Spekulationen aus. Simon Dixon, CEO von BnkToTheFuture, warnte, dass Strategy unter Druck geraten könnte, wenn Finanzinstitute die Besicherung von Kreditstrukturen manipulieren. Dixon: „Es könnte sein, dass Strategy Bitcoin verkaufen muss, wenn der Finanzkomplex unsere BTC-besicherten Schuldverschreibungen manipuliert.“
Bewertung aus DACH-Perspektive
Sollte Strategy tatsächlich Teile seiner Bestände veräußern, wäre das ein Novum mit Signalwirkung. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung solcher Transaktionen relevant: Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin durch Unternehmen unterliegen in Deutschland der Körperschaftsteuer; Privatanleger sollten die Jahresfreigrenze von 600 Euro sowie die Haltefrist von einem Jahr beachten, die bei Verkauf vor Ablauf zu steuerpflichtigen Gewinnen führt.