Merck und Hashgraph Group bringen Blockchain-Produktpass auf
Integration von physischer Authentifizierung und digitalem Zwilling soll EU-Nachhaltigkeits- und Lieferkettenvorgaben erfüllen – Pilotprojekt bereits gestartet.
Veröffentlicht
10. Juni 2026

Die Hashgraph Group und der Darmstädter Technologiekonzern Merck haben ihre Kräfte gebündelt, um ein neues Kapitel der Produktrückverfolgbarkeit aufzuschlagen. Konkret integrieren sie Mercks Authentifizierungstechnologie M-Trust in die auf Hedera basierende Plattform TrackTrace, die die Hashgraph Group erst im Februar vorgestellt hat. Das Ziel: Unternehmen die Einhaltung neuer EU-Vorschriften zur Lieferkettentransparenz zu erleichtern.
M-Trust bringt unsichtbare Sicherheitsmerkmale auf Produkte oder deren Verpackungen auf, die sich mit einem Handscanner verifizieren lassen. Diese Echtheitsdaten werden dann in der TrackTrace-Plattform auf der Hedera-Blockchain festgehalten. So entsteht ein fälschungssicherer digitaler Zwilling, der direkt mit dem sogenannten Digital Product Passport (DPP) eines Artikels verknüpft ist. Die physische Welt wird damit unmittelbar an eine unveränderliche digitale Aufzeichnung gekoppelt.
Auf dem Prüfstand der EU-Regularien
Die Partnerschaft zielt auf zwei zentrale Regulierungsvorhaben der Europäischen Union ab. Zum einen auf die Digital Product Passports im Rahmen der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) , die seit Juli 2024 in Kraft ist. Zum anderen auf die Rückverfolgbarkeitsanforderungen der EU-Verordnung zur Entwaldung (EUDR) . Beide Regelwerke verlangen von Herstellern, umfassende Daten über Herkunft, Zusammensetzung und Umweltauswirkungen ihrer Produkte bereitzustellen.
Laut den Unternehmen wurde die integrierte Lösung bereits in einem nicht näher bezeichneten Pilotprojekt in einer realen Lieferkette getestet. Potenzielle Anwendungsfelder sehen sie vor allem in Branchen, in denen Herkunft und Authentizität kritisch sind: der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, bei Luxusgütern und in der Elektronikfertigung. Die EU-Kommission erhofft sich von der ESPR einen effizienteren Ressourceneinsatz und mehr Transparenz über die Umweltbilanz von Produkten.
„Die Integration verbindet die physische Produktauthentifizierung mit einer blockchain-basierten Rückverfolgbarkeit“, so die Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung.
Das Interesse an blockchaingestützter Handelsinfrastruktur beschränkt sich dabei nicht auf Europa. So haben etwa die Währungsbehörden von Hongkong und Shanghai im März vereinbart, eine grenzüberschreitende Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierung zu prüfen.
Für Anleger in Deutschland und dem DACH-Raum bleibt die Entwicklung relevant, da die EU-Regularien mittelfristig auch für hier ansässige Produzenten und Händler verpflichtend werden. Die steuerliche Einordnung solcher tokenisierter Nachweise – etwa als immaterielle Wirtschaftsgüter – könnte dabei noch für Diskussionen mit den Finanzämtern sorgen.