Krypto-Luxus mit Leichengeld: Bestatter zu 40 Jahren verurteilt
Ein US-Bestatter hortete 189 Leichen und gab Angehörigen Beton-Asche. Mit dem Geld kaufte er unter anderem Kryptowährungen und Luxusgüter. Ein Fall von grenzenloser Gier.
Datum
8. Februar 2026

Key Takeaways:
- Jon Hallford, Besitzer eines Bestattungsunternehmens, wurde zu 40 Jahren Haft verurteilt.
- Er hortete 189 Leichen über Jahre in einem Gebäude und gab den Angehörigen falsche Asche (trockenen Beton).
- Mit den unrechtmäßig erzielten Geldern finanzierte das Paar einen Luxus-Lebensstil, darunter 31.000 US-Dollar in Kryptowährungen.
- Der Fall offenbarte gravierende Lücken in der Regulierung von Bestattungsunternehmen in Colorado.
Ein „unaussprechlicher“ Verrat
Der Fall schockiert durch seine Brutalität und Kälte. Jon Hallford, Mitbesitzer des „Return to Nature“-Bestattungsheims in Colorado, hat über vier Jahre hinweg die Leichen von 189 Verstorbenen in einem Gebäude verrotten lassen. Statt der versprochenen Einäscherung und Rückgabe der Asche erhielten die trauernden Familien trockenen Beton, der Asche ähneln sollte.
Bei der Urteilsverkündung am Freitag schilderten Angehörige ihren anhaltenden Albtraum. Sie berichteten von wiederkehrenden Träumen über verwesendes Fleisch und Maden. Richter Eric Bentley sprach von einem „unaussprechlichen und unbegreiflichen“ Leid, das Hallford verursacht habe. Der Angeklagte selbst sagte: „Meine Fehler werden ein ganzes Zeitalter widerhallen. Alles, was ich tat, war falsch.“
Finanziert von Gier: Krypto, Autos und Gucci
Die Motive waren rein finanzieller Natur. Während die Leichen in Penrose, Colorado, vor sich hin moderten, lebten Jon Hallford und seine Ex-Frau Carie im Luxus. Gerichtsunterlagen belegen exzessive Ausgaben:
- Zwei Luxusautos (GMC Yukon & Infiniti) im Wert von über 120.000 US-Dollar
- 31.000 US-Dollar in Kryptowährungen
- Teure Einkäufe bei Gucci und Tiffany & Co.
- Laser-Body-Sculpting-Behandlungen
Staatsanwältin Shelby Crow brachte es auf den Punkt: „Ganz klar ist dies ein Verbrechen, das von Gier motiviert war.“ Die über 1.200 Dollar, die pro „Bestattung“ verlangt wurden, flossen direkt in diesen Lebensstil. Das Geld für die Luxusgüter hätte die Kosten für die Einäscherung aller Leichen mehrfach decken können.
Weitere Betrugsfälle und rechtliche Konsequenzen
Das Bestattungs-Debakel war nicht ihr einziges Verbrechen. Das Paar bekannte sich auch schuldig, im Zuge der Pandemie-Hilfen fast 900.000 US-Dollar an staatlichen Fördergeldern erschwindelt zu haben. Dafür erhielt Jon Hallford bereits eine separate 20-jährige Bundesstrafe, die parallel zur neuen 40-jährigen Landesstrafe verbüßt wird.
Carie Hallford, seine Ex-Frau und Geschäftspartnerin, erwartet am 24. April ihr Urteil. Ihr drohen 25 bis 35 Jahre Haft.
Das Trauma der Angehörigen
Die menschliche Tragödie hinter den Zahlen ist unfassbar. Kelly Mackeen, deren Mutter zu den Opfern zählt, sagte vor Gericht: „Ich bin eine Tochter, deren Mutter wie der Müll von gestern behandelt und auf einen Platz geworfen wurde, um mit Hunderten anderen zu verrotten.“
Die Erkenntnis, dass man jahrelang Beton statt der Asche eines geliebten Menschen aufbewahrt oder verstreut hat, zerstörte für viele den gesamten Trauerprozess. Andere kämpfen mit schweren Schuldgefühlen und Albträumen.
Ein besonders abscheulicher Detailfall betraf einen hochdekorierten Army-Veteranen, von dem die Familie glaubte, er sei mit militärischen Ehren beigesetzt worden. Bei einer Exhumierung fand sich im Sarg jedoch eine Person anderen Geschlechts. Der Veteran musste später erneut beigesetzt werden.
Systemversagen und regulatorische Lücken
Der Fall wirft ein grelles Licht auf das regulatorische Versagen im Bestattungsgewerbe Colorados. Die Aufsicht war so lasch, dass ein Unternehmen über Jahre hinweg völlig unkontrolliert operieren konnte, obwohl bereits finanzielle Warnsignale wie Steuerschulden und Räumungsklagen vorhanden waren.
Erst der Gestank, der 2023 aus dem Gebäude drang, führte zur Entdeckung des Horrors. Die Leichen lagen in allen Räumen, teils übereinander gestapelt, bedeckt von Insekten und Verwesungsflüssigkeit – darunter auch Säuglinge und Föten.
Die öffentliche Empörung und der Druck der betroffenen Familien führten schließlich zu gesetzlichen Verschärfungen. Richter Bentley wies in einem seltenen Schritt auch einen ersten, als zu milde empfundenen Deal mit nur 20 Jahren Haft zurück und sorgte so für die heutige, deutlich härtere Strafe.
Der Fall „Return to Nature“ ist eine düstere Mahnung darüber, was geschieht, wenn Gier auf ein System trifft, das seiner Aufsichtspflicht nicht nachkommt. Die Opfer zahlen den Preis mit einem Trauma, das ein Leben lang anhalten wird.