Krypto-Lobbying und Bitcoin-Kauf: US-Abgeordneter in Interessenkonflikt-Verdacht
Der republikanische Politiker Byron Donalds forderte am selben Tag steuerliche Erleichterungen für Staking-Rewards, an dem seine Frau Bitcoin im Wert von über 50.000 US-Dollar kaufte.
Datum
11. Januar 2026

Key Takeaways:
- US-Repräsentant Byron Donalds forderte am 28. März die Abschaffung der Besteuerung von Staking-Rewards.
- Am selben Tag kaufte seine Frau Bitcoin im Wert von 50.001 bis 100.000 US-Dollar.
- Experten sehen einen klaren Interessenkonflikt, der das öffentliche Vertrauen untergrabe.
- Es ist nicht der erste Vorfall mit zeitlich auffälligen Wertpapiergeschäften des Politikers.
Lobbybrief für steuerfreie Staking-Rewards
Der republikanische Abgeordnete und Gouverneurskandidat für Florida, Byron Donalds, hat sich gemeinsam mit 18 weiteren Kongressmitgliedern in einem Brief an den kommissarischen IRS-Chef gewandt. In dem Schreiben vom 28. März fordern sie, die aktuelle steuerliche Behandlung von Staking-Rewards zu ändern.
Die Kernforderung: Token, die durch das Absichern von Blockchains (Staking) verdient werden, sollen nicht als sofort zu versteuerndes Einkommen gelten. Die Abgeordneten argumentieren mit einem Analogie-Vergleich:
„Wie diejenigen, die Gold oder etwas anderes abbauen, sind Krypto-Miner und Staker die ersten Eigentümer dieses neuen Eigentums. Neues Eigentum ist in den Händen seines ersten Eigentümers niemals steuerpflichtiges Einkommen.“
Eine solche Regeländerung würde die Attraktivität von Staking-Investments erheblich steigern und direkte finanzielle Vorteile für Halter von Proof-of-Stake-Kryptowährungen bedeuten.
Zeitgleicher Großkauf von Bitcoin durch Ehefrau
Laut einem von NOTUS eingesehenen Kongressdokument wurde am exakt selben Tag ein signifikanter Bitcoin-Kauf im Namen von Donald Ehefrau getätigt. Das Volumen lag zwischen 50.001 und 100.000 US-Dollar.
Das Büro des Abgeordneten bestätigte den Kauf, wies jedoch jeden Zusammenhang zurück. Ein Sprecher betonte:
- Der Kauf sei von der Ehefrau getätigt worden.
- Der Brief an den IRS habe „keinerlei Auswirkung auf den Spotpreis von Bitcoin“.
Experten sehen klaren Interessenkonflikt
Unabhängige Beobachter und ehemalige Politiker bewerten die zeitliche Koinzidenz kritisch. Reid Ribble, ein ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter, kommentierte scharf:
„Das Timing sieht wirklich, wirklich schlecht aus. Manchmal muss man einfach Nein sagen. Es untergräbt das Vertrauen der Bürger, dass ein Abgeordneter nicht mit einem Vorteil handelt, den andere nicht haben.“
Die Kritik zielt auf den grundlegenden Verdacht ab, dass der Politiker mit seinem Handeln (Lobbying) den Wert einer Anlageklasse (Krypto) beeinflussen wollte, in die sein unmittelbares Umfeld zeitgleich investierte.
Kein Einzelfall: Auffällige Handelsaktivitäten
Der aktuelle Vorfall reiht sich ein in eine Serie zeitlich auffälliger Transaktionen. Bereits im April, eine Woche nach Trumps Ankündigung neuer Zölle („Liberation Day“), tätigte das Ehepaar Donalds Aktiengeschäfte im Wert von 8.008 bis 120.000 US-Dollar.
Die gekauften oder verkauften Positionen umfassten unter anderem:
- Visa Inc. (Zahlungsdienstleister)
- Nu Holdings Ltd. (Digitalbank aus Brasilien)
- Amphenol Corporation (Kommunikationskabel)
- Regeneron Pharmaceuticals (Biotech-Unternehmen)
Hintergrund: Heißer Wahlkampf in Florida
Die Enthüllungen fallen in eine heiße Phase des republikanischen Vorwahlkampfes um das Gouverneursamt in Florida. Donalds, der die Unterstützung von Donald Trump genießt, sieht sich einer harschen Herausforderung durch James Fishback gegenüber.
Der Wahlkampf ist bereits von persönlichen Angriffen und Kontroversen geprägt. Fishback selbst steht aufgrund von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens in der Kritik, die er bestreitet.
Die neuen Vorwürfe des Interessenkonflikts könnten die Debatte um Transparenz und Ethik in der Politik nun zusätzlich anheizen – und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf die regulatorische Behandlung von Kryptowährungen in den USA lenken.