Interactive Brokers-Chef setzt auf Prognosemärkte und Krypto-Expansion
Thomas Peterffy erwartet durch US-Zwischenwahlen einen Boom für ForecastEx. Der milliardenschwere Broker-Gründer spricht auch über Fed-Unabhängigkeit und Zinspolitik.
Datum
15. Januar 2026
Key Takeaways:
- Interactive Brokers erwartet für 2026 ein beschleunigtes Wachstum seines Prognosemarktes ForecastEx, angetrieben durch die US-Zwischenwahlen.
- Das Unternehmen will seine Wett- und Brokerage-Dienste enger verzahnen, um Kunden einen Informationsvorteil zu bieten.
- Parallel expandiert der Broker stark im Krypto-Bereich mit Stablecoin-Einzahlungen und Partnerschaften.
- Gründer Thomas Peterffy äußert sich kritisch zu staatlichen Eingriffen wie Zinsobergrenzen und warnt vor zu schnellen Zinssenkungen der Fed.
Prognosemärkte im Höhenflug: Wahlen als Wachstumstreiber
Thomas Peterffy, milliardenschwerer Gründer und Chairman von Interactive Brokers, blickt äußerst optimistisch auf das Geschäft mit Prognosemärkten. Im Gespräch mit Reuters sagte er, das Wachstum der eigenen Plattform ForecastEx werde sich in diesem Jahr beschleunigen. Ein Hauptgrund: Die anstehenden US-Zwischenwahlen im November.
ForecastEx ermöglicht es Anlegern, auf Fragen zu Wirtschaft, Politik oder Klima zu wetten, indem sie „Ja“- oder „Nein“-Kontrakte kaufen. Peterffy sieht darin mehr als nur ein Spiel: „Unsere Kunden werden besser informiert sein, wenn sie die Prognosevorhersagen zu Themen sehen, die für die Unternehmen und Branchen relevant sind, in die sie investieren.“
„Ich bin unglaublich bullish in diesem Bereich, besonders mit den Wahlen in diesem Jahr.“
Integration und Expansion: Der Plan für 2026
Der Plan für 2026 ist klar: Interactive Brokers will sein Wettangebot enger mit seinen anderen Brokerage-Diensten verknüpfen. „Wenn man die zukünftigen Entwicklungen insgesamt betrachtet, gibt das unseren Kunden einen Vorteil gegenüber anderen Brokern, die nicht eine volle Palette an Produkten haben, die Kunden einsehen können“, so Peterffy.
Der Markt für Prognoseplattformen boomt, seit die Regulierung unter der aktuellen US-Administration gelockert wurde. Wichtige Meilensteine:
- Ein Bundesgericht kippte 2024 ein Verbot für Wetten auf Wahlen.
- Die Börsenbetreiberin Intercontinental Exchange investierte Milliarden in den Rivalen Polymarket.
- Der Mitbewerber Kalshi wurde zuletzt mit 11 Milliarden Dollar bewertet.
Trotz des zunehmenden Wettbewerbs und regulatorischer Fragen – etwa zu Insiderhandelsverdachten auf anderen Plattformen – bleibt Peterffy zuversichtlich. Er rechnet auch 2026 mit einem rasanten Wachstum der Kundenkonten, die Ende September bei 4,13 Millionen lagen.
Parallele Offensive: Der Krypto-Push von Interactive Brokers
Neben Prognosemärkten treibt Interactive Brokers die Expansion im Kryptobereich voran. Das Unternehmen verfolgt eine mehrgleisige Strategie:
- Phasenweise Einführung von Stablecoin-Einzahlungen für US-Privatkunden.
- Partnerschaft mit der Krypto-Plattform Paxos.
- Beteiligung an der Kryptobörse Zero Hash.
Durch diese Kooperationen bietet der Broker den Handel mit verschiedenen Kryptowährungen an. Die Hedgefonds-Kunden der hauseigenen Prime-Brokerage-Einheit konnten diese Diversifikation 2025 zu schätzen wissen: Sie erzielten eine Rendite von knapp 29 % und übertrafen damit den S&P 500 deutlich (16,4 %).
Peterffys Blick auf Politik und Regulierung
Wie viele Finanzgrößen verfolgt Peterffy die politischen Entwicklungen genau. Zwei Themen stehen aktuell im Fokus:
Die Unabhängigkeit der Federal Reserve
Zur drohenden Anklage von Fed-Chef Jerome Powell durch das Justizministerium nimmt Peterffy eine klare Position ein: „Ich bin für die Unabhängigkeit der Fed.“ Gleichzeitig betont er, dass bei festgestellten Fehlverhalten „diese Person strafrechtlich verfolgt werden sollte“. In der Zinspolitik warnt er vor übereilten Schnellschüssen: „Ich würde nicht wollen, dass die Inflation davonläuft.“
Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft
Kritisch sieht der Broker-Gründer den jüngsten Vorstoß der Regierung, Kreditkartenzinsen auf 10 % zu deckeln. „Ich bin nicht dafür, dass die Regierung in private Unternehmen eingreift“, sagte Peterffy. Seine Haltung ist prinzipienbasiert: Wenn es ein Gesetz dafür gebe, solle die Regierung handeln, ansonsten nicht.
Fazit: Ein Finanzriese auf Expansionskurs
Interactive Brokers, mit einer Marktkapitalisierung von rund 120 Milliarden Dollar, positioniert sich in zwei hochdynamischen und teils kontroversen Wachstumsfeldern:
- Prognosemärkte als Informations- und Handelsinstrument.
- Kryptowährungen als integraler Bestandteil des modernen Brokerage.
Unter der Führung von Thomas Peterffy nutzt das Unternehmen die gelockerte Regulierung und die Nachfrage nach alternativen Anlage- und Informationsquellen. Die Zwischenwahlen 2026 werden der erste große Stresstest für die Strategie – und könnten ForecastEx endgültig im Mainstream verankern.