Indische Behörden warnen vor Crypto-Hawala für Terrorfinanzierung
Sicherheitskräfte decken ein digitales Schattennetzwerk auf, das über Kryptowährungen unauffindbare Gelder nach Jammu und Kashmir schleust. Die Methode umgeht alle regulatorischen Hürden.
Datum
19. Januar 2026

Key Takeaways:
- Sicherheitsbehörden haben ein hochsophistiziertes „Crypto-Hawala“-Netzwerk aufgedeckt.
- Das Netzwerk nutzt private Krypto-Wallets und P2P-Handel, um jede Finanzspur zu verwischen.
- Die Gelder sollen aus dem Ausland kommen und separatistische bzw. terroristische Aktivitäten in Jammu und Kashmir finanzieren.
- Die Methode stellt eine massive Herausforderung für die regulatorischen Bemühungen Indiens dar.
Digitale Schattenfinanzierung bedroht Sicherheitslage
Indische Sicherheitsbehörden schlagen Alarm: Ein neuartiges, digitales Finanzierungsnetzwerk umgeht systematisch die staatlichen Kontrollen und schleust unauffindbare Gelder in die umkämpfte Region Jammu und Kashmir. Laut offiziellen Angaben handelt es sich um eine moderne, kryptobasierte Variante des traditionellen Hawala-Systems, bei dem Geld über nicht-bankliche Kanäle transferiert wird.
Das Ziel der mutmaßlichen Geldströme ist besorgniserregend. Die Behörden warnen, dass die Schattenfinanzierung separatistischen Kräften neuen Auftrieb geben und anti-nationale Rhetorik in der Unionsterritorie wiederbeleben könnte, die durch frühere Polizeiaktionen eigentlich stark eingedämmt worden war.
So funktioniert das Crypto-Hawala-System
Das Netzwerk operiert komplett außerhalb des regulierten Finanzsystems und nutzt die Anonymität von Kryptowährungen geschickt aus. Die Abläufe sind strukturiert:
- Ausländische Auftraggeber in Ländern wie China, Malaysia oder Myanmar instruieren Personen in Jammu und Kashmir, private Krypto-Wallets einzurichten.
- Für die Erstellung der Wallets werden Virtual Private Networks (VPNs) genutzt, um die Herkunft zu verschleiern. Die Jammu-und-Kashmir-Polizei hat den VPN-Gebrauch in der Region bereits suspendiert.
- Die ausländischen Handler überweisen Kryptowährungen direkt in diese privaten Wallets. Da diese keine KYC-Überprüfung (Know Your Customer) erfordern, bleibt die Identität der Empfänger verborgen.
Der kritische Schritt: Von Crypto zu Bargeld
Der eigentliche Clou des Systems ist die Umwandlung der digitalen Werte in nicht nachverfolgbares Bargeld. Dazu reisen die Wallet-Besitzer in große Metropolen wie Delhi oder Mumbai.
Dort treffen sie sich mit nicht-regulierten Peer-to-Peer (P2P)-Händlern, die außerhalb offizieller Börsen agieren. In diesen Treffen wird die Kryptowährung zu vorab vereinbarten Kursen in Bargeld getauscht. Dieser Schritt „durchtrennt die Finanzspur“ effektiv, da ausländisches Geld nun als lokales, physisches Bargeld in Umlauf gebracht wird.
Die Rolle der „Mule Accounts“ und regulatorische Lücken
Um die Transaktionen weiter zu verschleiern, setzt das Netzwerk auf sogenannte „Mule Accounts“ („Esel-Konten“). Dabei handelt es sich um Parkkonten von ahnungslosen Bürgern, die für eine Provision von 0,8 bis 1,8 Prozent pro Transaktion ihre Bankzugänge zur Verfügung stellen.
Ein einzelmer Betreiber kontrolliert dabei oft zehn bis dreißig solcher Mule-Accounts gleichzeitig.
Dieses Vorgehen stellt die indischen Behörden vor ein großes Dilemma. Zwar hat die Financial Intelligence Unit (FIU) bereits 49 Kryptobörsen als meldepflichtige Stellen registriert und strenge Richtlinien wie „Live Selfies“ mit Liveness-Erkennung eingeführt. Das Crypto-Hawala-Netzwerk operiert jedoch komplett im „Graumarkt“ des Off-Exchange-Handels und entzieht sich so den geltenden Geldwäschegesetzen.
Die Sicherheitskräfte stehen vor der Herausforderung, eine Finanzierungsmethode zu bekämpfen, die speziell dafür designed wurde, keine Spuren zu hinterlassen. Der Kampf gegen Terrorfinanzierung hat mit dem Aufkommen der Kryptotechnologie eine neue, komplexe Dimension erreicht.