Google warnt: Quantencomputer könnten Bitcoin-Sicherheit früher
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der sogenannte 'Q-Day' – der Tag, an dem Quantencomputer heutige Verschlüsselung knacken – näher rücken könnte.
Veröffentlicht
7. April 2026
Die Bedrohung durch Quantencomputer für die Kryptowährungsbranche könnte konkreter werden als bisher angenommen. Forscher von Google Quantum AI haben in einer aktuellen Studie dargelegt, dass die Ressourcen, die zum Knacken der elliptischen Kurven-Kryptographie benötigt werden – die Grundlage von Bitcoin und Ethereum –, geringer ausfallen könnten als frühere Schätzungen.
Weniger Qubits als erwartet
Laut einem Bericht von CoinDesk weisen die Google-Forscher in einem Whitepaper darauf hin, dass für einen Angriff auf die elliptische Kurven-Kryptographie möglicherweise weniger als 50.000 physische Qubits benötigt werden. Zudem haben sie zwei potenzielle Angriffsmethoden entworfen, die jeweils nur etwa 1.200 bis 1.450 hochwertige Qubits erfordern würden, um die Sicherheit von Bitcoin zu kompromittieren. Solche Angriffe könnten in Echtzeit während einer Transaktion erfolgen, indem der private Schlüssel aus dem öffentlichen Schlüssel abgeleitet und so Mittel transferiert werden.
Der Zeitrahmen rückt näher
Zwar existiert noch kein Quantencomputer, der diese Aufgabe bewältigen könnte – die leistungsfähigsten Maschinen erreichen derzeit nur etwa ein Tausendstel der benötigten Rechenkraft. Doch das Feld entwickelt sich rasant. Forscher, darunter Googles Craig Gidney und Bitcoin-Sicherheitsexperte Justin Drake, prognostizieren, dass zwischen 2030 und 2032 mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 10 % Quantenmaschinen existieren könnten, die die Kryptographie brechen.
Diese Einschätzung stellt eine konkretere und potenziell frühere Bedrohung dar als einige optimistischere Prognosen aus der Vergangenheit. Die Kryptowährungs-Community beobachtet die Entwicklung des „Quanten-Judgment-Day“ (Q-Day) daher mit wachsender Aufmerksamkeit.
Was bedeutet das für die Blockchain-Industrie?
Die potenzielle Verwundbarkeit betrifft nicht nur Bitcoin, sondern alle Systeme, die auf ähnlicher Kryptographie basieren. Die Branche sucht bereits aktiv nach Gegenmaßnahmen. Ein zentraler Ansatz ist die Migration zu quantenresistenten Kryptographieverfahren (Post-Quantum Cryptography, PQC). Einige Blockchain-Projekte wie Algorand haben bereits damit begonnen, solche Algorithmen zu integrieren, und wurden in der Google-Studie ausdrücklich für ihre Bemühungen gelobt.
Für langfristig orientierte Anleger ist diese Entwicklung ein wichtiger Faktor bei der Bewertung der fundamentalen Stärke eines Krypto-Projekts. Die Fähigkeit, sich proaktiv auf die Post-Quanten-Ära vorzubereiten, könnte zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Die Debatte unterstreicht eine grundlegende Wahrheit der digitalen Asset-Branche: Sie operiert an der Schnittstelle von Technologie und Finanzen. Während regulatorische Unsicherheiten oder Marktzyklen kurzfristige Preisschwankungen verursachen, sind es langfristig technologische Durchbrüche wie der Quantencomputer, die das Fundament der Branche selbst herausfordern. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung von Gewinnen aus Kryptowährungen (§ 22 EStG) unabhängig von dieser technologischen Bedrohungslage relevant.