Epstein als Satoshi? Falsche E-Mail in Bitcoin-Verschwörung
Eine in sozialen Medien geteilte angebliche E-Mail sollte beweisen, dass Jeffrey Bitcoin erfand. Eine Faktenprüfung zeigt: Das Dokument ist eine Fälschung.
Datum
9. Februar 2026

Key Takeaways:
- Eine auf Social Media geteilte angebliche E-Mail aus den Epstein-Files sollte beweisen, dass Jeffrey Epstein Satoshi Nakamoto war.
- Eine Überprüfung der offiziell freigegebenen Dokumente durch Snopes fand keinen Hinweis auf diese E-Mail.
- Das Bild der E-Mail enthält mehrere technische Fehler und Inkonsistenzen, die auf eine Fälschung hindeuten.
- Die Behauptung wird als Fake bewertet.
Im Zuge der Veröffentlichung der Epstein-Files durch das US-Justizministerium Anfang 2026 kursierten zahlreiche Spekulationen und Falschinformationen im Netz. Eine besonders bizarre Behauptung verbreitete sich auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) und Facebook: Eine angebliche E-Mail des verstorbenen Finanziers Jeffrey Epstein an seine Vertraute Ghislaine Maxwell sollte beweisen, dass Epstein selbst der anonyme Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto sei.
Nutzer teilten einen Screenshot, der eine E-Mail vom 31. Oktober 2008 zeigen sollte. Darin schreibt ein angeblicher „Jeffrey“ an „Bine“ (ein vermeintlicher Spitzname für Maxwell):
„Ghislaine, das 'Satoshi'-Pseudonym funktioniert perfekt. Unsere kleine digitale Goldmine ist bereit für die Welt. Finanzierung gesichert.“
Die Implikation war klar: Epstein habe hinter dem legendären Pseudonym gesteckt und Bitcoin als sein persönliches „digitales Goldbergwerk“ initiiert. Doch eine gründliche Faktenprüfung entlarvt die Geschichte als erfunden.
Kein Nachweis in den offiziellen Epstein-Files
Snopes durchsuchte das öffentlich zugängliche Archiv des US-Justizministeriums sowie andere Repositorien mit den Epstein-Dokumenten nach konkreten Begriffen aus der angeblichen E-Mail.
- Die Suche nach „Satoshi“ und „Nakamoto“ ergab zwar Treffer, doch diese bezogen sich auf Newsletter, Diskussionen über Kryptowährungen oder akademische Artikel.
- Spezifische Phrasen wie „Satoshi pseudonym“, „Our little digital gold mine“ oder „Project 'Bitcoin' Funding & Whitepaper“ lieferten keine einzige Übereinstimmung.
- Auch eine Suche nach der Anrede „Hi Bine,“ die nur in dieser einen angeblichen E-Mail vorkommt, blieb erfolglos.
„Keines der Dokumente stimmte mit der angeblichen E-Mail überein. Daher kamen wir zu dem Schluss, dass sie in den Dateien nicht vorhanden ist“, so das Fazit der Prüfer.
Technische Fehler verraten die Fälschung
Abgesehen von der Abwesenheit in den Archiven weist das geteilte Bild der E-Mail handwerkliche Fehler auf, die eine Manipulation nahelegen.
- Doppelte „An:“-Zeile: Unter Datum und Betreff der E-Mail finden sich zwei „An:“-Felder – eines mit Epsteins eigener E-Mail-Adresse und ein weiteres, das fälschlicherweise den Betrefftext enthält. Diese Anomalie kommt in anderen echten E-Mails aus den Files nicht vor.
- Anachronistische E-Mail-Domain: Die angegebene E-Mail-Adresse für Ghislaine Maxwell (
gmaxwell@terramar.org) verweist auf das TerraMar Project, eine Organisation, die Maxwell erst 2012 gründete. Die angebliche E-Mail wäre jedoch bereits 2008 versendet worden – ein klarer Widerspruch. - Isolierte Nutzung des Spitznamens: Dass Maxwell in Tausenden von Dokumenten nie als „Bine“ angesprochen wird, außer in dieser einen ominösen E-Mail, erscheint höchst unwahrscheinlich.
Kontext: Krypto-Interessen, aber kein Beweis für Satoshi
Die echten Epstein-Files zeigen zwar, dass der Finanzier und sein Umfeld sich für Kryptowährungen interessierten. Gefunden wurden:
- E-Mails mit Diskussionen über Krypto-Investitionen.
- Informations-Präsentationen zu Bitcoin.
- Hinweise auf potenzielle Bitcoin-Investmentmöglichkeiten.
Diese Funde belegen ein generelles Interesse, sind jedoch kein Beweis für eine Identität als Satoshi Nakamoto. Die spezifische, vermeintlich schlüssige E-Mail ist eine Fälschung, die wahrscheinlich erstellt wurde, um die ohnehin schon mit Verschwörungstheorien aufgeladene Debatte um die Epstein-Files weiter anzuheizen.
Die Suche nach der wahren Identität Satoshi Nakamotos bleibt damit eines der größten Rätsel der Kryptowelt – und Jeffrey Epstein gehört definitiv nicht zu den plausiblen Kandidaten.