El Salvador kauft Bitcoin unter 66.000 US-Dollar – Reserve
Die Regierung Bukele hält an ihrer Strategie fest: Trotz regulatorischer Zugeständnisse an den IWF wird die Bitcoin-Reserve weiter aufgestockt – auf nun fast 7.600 BTC im Wert von über 510 Millionen US-Dollar.
Veröffentlicht
4. Juni 2026

Während viele Anleger bei der aktuellen Korrektur am Kryptomarkt nervös werden, schlägt El Salvador die entgegengesetzte Richtung ein. Die Regierung von Präsident Nayib Bukele nutzt die Kursschwäche, um ihre Bitcoin-Reserven systematisch auszubauen – und ignoriert dabei die Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zumindest teilweise.
Nach Angaben des Portals Cointribune hat das Land zuletzt weiter zugekauft, obwohl der Bitcoin-Kurs unter die psychologisch wichtige Marke von 66.000 US-Dollar gefallen war und um die 65.700 US-Dollar notierte. Die nationale Reserve liegt demnach inzwischen bei fast 7.600 BTC – zu aktuellen Kursen ein Gegenwert von rund 510 Millionen US-Dollar. Der genaue Bestand schwankt durch interne Wallet-Transfers, doch das Muster ist eindeutig: ein täglicher, systematischer Kauf von etwa einem Bitcoin, gelegentlich ergänzt durch größere Orders.
Eine politische Botschaft in jedem Satoshi
Die Käufe sind mehr als eine finanzielle Transaktion. Sie sind eine politische Botschaft an die internationale Finanzgemeinschaft. Präsident Bukele hat El Salvador als weltweites Labor für die staatliche Bitcoin-Adoption positioniert. Jede neue Einheit in der Staatskasse unterstreicht diesen Anspruch – auch wenn der Kurs gerade fällt.
Das Land hatte Bitcoin 2021 als erstes Land der Welt zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Seither verfolgt es eine Strategie der kontinuierlichen Akkumulation, unabhängig von kurzfristigen Kursbewegungen. Die Behörden sehen in fallenden Notierungen offenbar keine Gefahr, sondern eine Gelegenheit zum günstigen Einstieg. Volatilität wird als Preis für den langfristigen Vermögensaufbau interpretiert.
IWF-Konflikt: Volle Kassen, leere Worte?
Allerdings agiert El Salvador in einem Spannungsfeld. Im Zuge von Kreditverhandlungen mit dem IWF hatte sich die Regierung zu regulatorischen Zugeständnissen verpflichtet. Die für Unternehmen ursprünglich obligatorische Bitcoin-Akzeptanz wurde auf eine freiwillige Basis zurückgestuft – ein Schritt, den Beobachter zunächst als Abkehr von der ursprünglichen Vision werteten.
Doch der Kern der Strategie blieb unangetastet. Die Regierung lockerte die Regeln für den Handel, hörte aber nicht auf zu kaufen. Diese Diskrepanz – formale Anpassung bei gleichzeitiger inhaltlicher Fortsetzung – sorgt für anhaltende Diskussionen. Kritiker warnen vor den Risiken einer solchen Konzentration für eine kleine, dollarisierte Volkswirtschaft. Befürworter sehen darin die notwendige Beharrlichkeit für eine disruptive Vision.
Lehrstück für die Krypto-Welt
El Salvador ist damit zum meistbeachteten Staats-Experiment der Branche geworden. Ob die Strategie aufgeht, hängt maßgeblich vom künftigen Bitcoin-Kurs ab. Zeigt der Markt nachhaltig nach oben, könnte die Geduld der Regierung als historische Weitsicht gefeiert werden. Vertieft sich die Korrektur, dürfte die Kritik an der fiskalischen Verantwortung wieder lauter werden.
Für Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die Entwicklung dennoch relevant: Die steuerliche Einordnung von Bitcoin-Investitionen könnte sich durch solche staatlichen Signale mittelfristig verändern. Ein Land, das sein nationales Vermögen auf eine Kryptowährung stützt, setzt auch internationale Standards für die Bewertung und Regulierung dieser Assetklasse.