Drift Protocol kündigt 150-Millionen-Dollar-Entschädigungsplan
Der Solana-DEX kooperiert mit Tether und stellt einen strukturierten Wiederherstellungsplan vor, nachdem ein Angriff 285 Millionen Dollar erbeutet hatte.
Veröffentlicht
18. April 2026

Zwei Wochen nach dem bislang größten Krypto-Hack des Jahres 2026 mit einem Schaden von 285 Millionen Dollar hat das betroffene Projekt, die Solana-DeFi-Plattform Drift Protocol, seinen Wiederherstellungsplan vorgelegt. Im Zentrum steht ein Unterstützungspaket im Umfang von fast 150 Millionen Dollar, das gemeinsam mit Tether und anderen Partnern geschnürt wurde.
Strukturierte Entschädigung für betroffene Nutzer
Der Plan sieht vor, einen dedizierten Entschädigungspool für die geschädigten Nutzer zu schaffen. Dieser soll durch eine 100-Millionen-Dollar-Kreditlinie, die an die künftigen Einnahmen des Protokolls gekoppelt ist, einen Ökosystem-Grant und Darlehen an Market Maker finanziert werden. Ein signifikanter Teil der zukünftigen Handelsgebühren wird ebenfalls in den Pool fließen. Sollten gestohlene Gelder zurückverfolgt werden, würden auch diese dem Pool zugeführt.
Um die Verteilung zu vereinfachen, wird Drift einen separaten Recovery-Token ausgeben. Dieser wird übertragbar sein und einen Anspruch auf die Mittel im Entschädigungspool verbriefen. Es handelt sich ausdrücklich nicht um den bestehenden DRIFT-Governance-Token.
Tether ersetzt USDC als zentrale Stütze
Eine der auffälligsten Änderungen betrifft die Abwicklung von Geschäften. Drift wird seinen Betrieb mit USDT von Tether als primärem Settlement-Asset wieder aufnehmen. Tether stellt dafür eine Unterstützungsfazilität für ausgewählte Market Maker bereit, um von Beginn an liquide Märkte zu gewährleisten.
Diese Entscheidung folgt auf die Kritik an Circle, dem Emittenten von USDC. Der Angreifer hatte einen Großteil der erbeuteten Assets umgehend in USDC getauscht. Trotz öffentlicher Appelle von Investoren und On-Chain-Analysten wie ZachXBT weigerte sich Circle, die gestohlenen USDC-Token einzufrieren. Das Unternehmen begründete dies damit, nur dann zu handeln, „wenn das Gesetz uns dazu verpflichtet“.
Hintergrund des Angriffs und Sicherheits-Updates
Der Hack vom 1. April war das Ergebnis einer monatelangen, ausgeklügelten Operation. Die Angreifer, bei denen laut Blockchain-Analysten von Elliptic Hinweise auf eine Verbindung zu Nordkorea bestehen, infiltrierten den inneren Kreis von Drift und kompromittierten deren Geräte. Sie manipulierten die Multisig-Freigaben des Protokolls unter Ausnutzung von Solanas Durable Nonces.
Als Konsequenz kündigt Drift umfassende Sicherheitsmaßnahmen an. Bevor das Protokoll wieder online geht, wird jede Komponente von den Sicherheitsfirmen OtterSec und Asymmetric Research unabhängig auditiert. Zudem wird eine neue, community-gesteuerte Multisig-Wallet eingeführt, die strengere Verfahren für Transaktionsfreigaben vorschreibt.
Einordnung für DACH-Anleger
Der Fall Drift zeigt die anhaltenden systemischen Risiken im DeFi-Sektor, aber auch den wachsenden Druck auf Projekte, bei Verlusten Verantwortung zu übernehmen. Für Anleger hierzulande unterstreicht der Vorfall erneut die Bedeutung einer klaren steuerlichen Dokumentation von Verlusten durch Hacks, die unter Umständen als außergewöhnliche Belastung oder Veräußerungsverlust geltend gemacht werden können. Die geplante Entschädigung via Token wirft zudem Fragen nach der steuerlichen Behandlung dieser Ersatzleistungen auf.