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David Brooks: Neokonservative Lehren für die Krise der

In einem tiefgründigen Gespräch mit David Frum analysiert der NYT-Kolumnist den moralischen Zusammenbruch, die Grenzen der Politik und warum die Neokonservativen heute wieder relevant sind.

Datum

29. Januar 2026

David Brooks: Neokonservative Lehren für die Krise der

Key Takeaways:

  • David Brooks argumentiert, dass die Neokonservativen mit ihrem Fokus auf Moral, bürgerliche Werte und die Komplexität der Gesellschaft heute wieder relevant sind.
  • Die aktuelle Krise in den USA – geprägt von Gewalt, Korruption und dem Zusammenbruch gemeinsamer Normen – ist laut Brooks primär ein moralischer Zusammenbruch.
  • Eine politische Lösung allein durch Wahlen reicht nicht aus; es braucht eine langsame, schwierige moralische Erneuerung der Gesellschaft.
  • Brooks plädiert für eine versöhnliche Haltung gegenüber Trump-Wählern, warnt aber vor den zerstörerischen Kräften des „anti-linken Nihilismus“ in der heutigen Rechten.

Eine Nation am moralischen Abgrund

David Frum eröffnet seine Podcast-Folge mit einer düsteren Bestandsaufnahme der USA im Januar 2026. Die jüngsten tödlichen Schüsse in Minneapolis durch Bundesbeamte, willkürliche Razzien ohne Haftbefehl und Berichte über Todesfälle in Gewahrsam sind für ihn keine Einzelfälle. Sie sind Symptome einer sich vertiefenden Krise der amerikanischen Demokratie, in der Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit zunehmend ausgehöhlt werden.

„Wie werden wir einen Weg aus dieser Sackgasse finden?“, fragt Frum. Die Mehrheit der Amerikaner lehne diese Handlungen ab, doch eine entschlossene Minderheit verteidige sie weiterhin. Die Spaltung betreffe eine fundamentale Frage: „Kann ein amerikanischer Bürger auf den Straßen seiner eigenen Stadt niedergeschossen werden, während er in der Hand nichts Gefährlicheres als ein Handy hält?“

David Brooks und das Vermächtnis der Neokonservativen

Im Gespräch mit David Brooks geht es um einen intellektuellen Ansatz, der in der aktuellen Debatte oft vergessen wird: den Neokonservatismus. Brooks erklärt seine Ursprünge nicht als rechte Ideologie, sondern als eine Strömung enttäuschter Linker.

  • Ursprung im Dissens: Die Bewegung begann mit jüdischen Immigrantenkindern am City College of New York, die von ihrem kommunistischen Glauben abrückten und zu Franklin Roosevelt-Demokraten wurden.
  • Erkenntnis der Komplexität: In den 1960er Jahren erkannten sie, dass sozialtechnokratische Planung oft scheitert und die Gesellschaft komplexer ist als angenommen. Irving Kristols berühmte Definition: Ein Neokonservativer ist „ein Liberaler, der von der Realität überfallen wurde“.
  • Fokus auf Werte: Ihr Kernanliegen war es, Politik durch eine humanistische Linse zu betrachten. Es ging nicht nur um Wirtschaftswachstum, sondern darum, eine Zivilisation aufzubauen, die bürgerliche Tugenden wie Fleiß, Anstand und Nachbarschaftlichkeit fördert.

Warum diese alten Ideen heute wichtig sind

Brooks argumentiert, dass die Neokonservativen ein Werkzeug liefern, um die aktuelle Krise zu verstehen: den Zusammenbruch einer gemeinsamen moralischen Ordnung.

„Wir leben in einem moralischen Ökosystem“, sagt Brooks. Dieses Ökosystem werde durch Kunst, Literatur und das Vorbild politischer Führer geformt – oder zerstört. Die Privatisierung der Moral („Jeder denke sich seine eigenen Werte aus“) habe zu einem Vakuum geführt, das nun von Nihilismus und reiner Machtpolitik gefüllt werde.

Die heutige Rechte, so Brooks, werde oft nicht von „Pro-Konservativen“ angeführt, die wie er und Frum Edmund Burke oder Adam Smith schätzten. Stattdessen dominiere ein „anti-linker Nihilismus“ – eine oppositionelle Haltung, die die liberale Elite hasst, aber keine positive Vision anbietet. Diese Dynamik treibe die Eskalation voran.

Der schwierige Weg zur Erneuerung

Auf Frums drängende Frage, wie eine Nation nach Trump und seinen Praktiken wieder zusammenfinden kann, hat Brooks keine einfachen Antworten. Er warnt vor einer Politik der „Säuberungen“ (Lustration), wie sie nach 1989 in Osteuropa stattfand.

  • Versöhnung statt Vergeltung: Brooks plädiert dafür, die Trump-Wähler – die oft aus der Arbeiterklasse stammen und echte wirtschaftliche Sorgen haben – von den korrupten Profiteuren der Administration zu trennen und zu gewinnen.
  • Grenzen der Politik: Wahlen allein können den moralischen Schaden nicht reparieren. Die Erneuerung, wenn sie denn kommt, werde „langsam, schwierig und zutiefst persönlich“ sein.
  • Die große Gefahr: Die größte langfristige Bedrohung sei, dass Trump gezeigt habe, wie man alle normativen und rechtlichen Schranken der Präsidentschaftsmacht durchbrechen kann. Kein künftiger Präsident werde diese Macht freiwillig wieder abgeben.

Frum bleibt skeptischer. Er fürchtet, dass die korrupten Strukturen von Reichtum und Macht, die unter Trump entstanden sind, auch nach einem Machtwechsel fortbestehen und nur auf die nächste Gelegenheit warten werden. Sein historischer Vergleich ist nicht 1989, sondern die Reconstruction-Ära nach dem Bürgerkrieg – ein langer, konfliktreicher Prozess, der verfassungsrechtliche Änderungen erforderte.

Fazit: Eine Lektion in Demut und Beharrlichkeit

Das Gespräch zwischen Frum und Brooks bietet keine Patentlösungen, aber einen wertvollen intellektuellen Rahmen. Die neokonservative Lektion der „epistemologischen Bescheidenheit“ – der Respekt vor der Komplexität der Gesellschaft – ist heute wichtiger denn je.

Die Krise ist in erster Linie eine moralische. Ihre Überwindung wird nicht durch einen Wahlsieg besiegelt, sondern erfordert den mühsamen Aufbau einer neuen geteilten Wertebasis, die Vertrauen und Anstand wieder in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Miteinanders stellt. In einer Zeit des „Krieges aller gegen alle“ ist dies die entscheidende Herausforderung für die amerikanische Demokratie.

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