Coinbase entlässt 700 Mitarbeiter: Krypto-Börse setzt auf KI
Die größte US-Kryptobörse streicht rund 14 Prozent ihrer Stellen. Grund sind schwächere Marktbedingungen und eine strategische Neuausrichtung hin zu mehr KI-Automatisierung. Betroffene erhalten Abfindungspakete.
Veröffentlicht
7. Mai 2026
Coinbase, die größte Kryptobörse der USA, trennt sich von rund 700 Beschäftigten – das entspricht etwa 14 Prozent der weltweiten Belegschaft. Der Schritt sei Teil einer Neuausrichtung, teilte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung mit. Die Restrukturierungskosten beziffert Coinbase auf 50 bis 60 Millionen Dollar, vor allem für Abfindungen und damit verbundene Leistungen.
Marktlage und KI-Wandel als Treiber
CEO Brian Armstrong begründete die Entscheidung in einer internen E-Mail mit zwei Faktoren: der aktuellen Marktschwäche und dem Vormarsch Künstlicher Intelligenz. Der Kryptomarkt sei trotz positiver Entwicklungen bei Stablecoins, Prognosemärkten und Tokenisierung weiterhin volatil. „Unser Geschäft schwankt von Quartal zu Quartal“, schrieb Armstrong. „Wir befinden uns derzeit in einem Abwärtsmarkt und müssen unsere Kostenstruktur jetzt anpassen, um aus dieser Phase schlanker, schneller und effizienter hervorzugehen.“
Noch deutlicher wurde der Coinbase-Chef mit Blick auf KI: „Im vergangenen Jahr habe ich gesehen, wie Ingenieure mit KI in Tagen ausliefern, wofür früher Teams Wochen brauchten. Nicht-technische Teams liefern jetzt produktiven Code, und viele unserer Arbeitsabläufe werden automatisiert.“ Ziel sei es, Coinbase zu einem „schlanken, schnellen, KI-nativen“ Unternehmen umzubauen.
Abfindungspakete mit regionalen Unterschieden
Betroffene US-Mitarbeiter erhalten laut Armstrong mindestens 16 Wochen Grundgehalt plus zwei Wochen pro Beschäftigungsjahr, den nächsten anstehenden Aktien-Vesting-Termin sowie sechs Monate verlängerte Krankenversicherung (COBRA). Für internationale Mitarbeiter gelte ein ähnliches Paket, das jedoch „auf Grundlage lokaler Faktoren und unter Berücksichtigung etwaiger Konsultationspflichten“ angepasst werde. Beschäftigte mit Arbeitsvisa erhalten zusätzliche Übergangsunterstützung.
Wiederholung des Musters
Es ist nicht der erste größere Stellenabbau bei Coinbase. Bereits 2022 und 2023 hatte das Unternehmen mehrfach Personal abgebaut, damals ebenfalls mit Verweis auf den Bärenmarkt und Effizienzsteigerungen. Der jetzige Schritt unterstreicht den verschärften Wettbewerbsdruck, dem Kryptobörsen durch fallende Handelsvolumina und regulatorische Unsicherheit ausgesetzt sind.
Für Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die Entwicklung aus steuerlicher Perspektive relevant: Sollte Coinbase seine Dienste in Europa unter der MiCA-Verordnung anpassen, könnten sich auch für Nutzer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Änderungen bei den Melde- und Steuerpflichten ergeben.