US-Regulierer greift für Krypto-Prognosemärkte ein – gegen
Die US-Börsenaufsicht CFTC unterstützt Polymarket und Kalshi im Rechtsstreit mit Bundesstaaten. Die Entscheidung könnte die Regulierung von Sportwetten und Krypto-Märkten grundlegend verändern.
Datum
18. Februar 2026

Key Takeaways:
- Die US-Börsenaufsicht CFTC unterstützt die Prognosemärkte Polymarket und Kalshi in einem zentralen Rechtsstreit gegen mehrere Bundesstaaten.
- Der neue CFTC-Vorsitzende Michael Selig argumentiert, dass die Märkte unter exklusive Bundesaufsicht fallen und Staaten diese nicht verbieten dürfen.
- Ein Sieg der Plattformen könnte die Macht der Bundesstaaten, Glücksspiel zu regulieren, erheblich beschneiden.
- Die Entscheidung könnte auch die Familie von Präsident Trump begünstigen, da sein Sohn Donald Trump Jr. in Polymarket investiert hat und Berater für Kalshi ist.
Bundesregulierer erklärt Prognosemärkten den Krieg
Die US-Börsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat sich in einem wegweisenden Rechtsstreit eindeutig positioniert. Unter der Führung ihres neuen Vorsitzenden Michael Selig unterstützt die Behörde die Betreiber der Prognosemärkte Polymarket und Kalshi gegen Klagen mehrerer Bundesstaaten. Diese werfen den Plattformen vor, unerlaubte Glücksspiel- oder Sportwettenoperationen zu betreiben.
In einem Gastbeitrag im Wall Street Journal machte Selig die Position der CFTC unmissverständlich klar: Die Behörde werde nicht länger tatenlos zusehen, wie „übereifrige Landesregierungen die exklusive Zuständigkeit der Behörde für diese Märkte untergraben“. Die Botschaft ist eine klare Kampfansage an die beteiligten Staaten.
Was sind Prognosemärkte und warum sind sie umstritten?
Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi ermöglichen es Nutzern, Verträge auf das wahrscheinliche Eintreten eines Ereignisses zu handeln. Die Bandbreite reicht von politischen Ereignissen („Wird es zum Krieg zwischen USA und Iran kommen?“) bis hin zu Sport und Wetter.
- Die Verträge werden typischerweise zwischen 1 Cent und 99 Cent gehandelt, was der geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit entspricht.
- Nach Angaben der Unternehmen entfällt jedoch der Großteil des Handelsvolumens auf Sportwetten (ca. 90 % bei Kalshi, 50 % bei Polymarket).
- Kalshi gab an, allein auf den Super Bowl ein Handelsvolumen von über einer Milliarde Dollar verzeichnet zu haben.
Genau hier liegt der Konflikt: Während die CFTC die Plattformen als regulierte Terminmärkte einstuft, sehen Staaten wie Nevada darin schlichtweg unlizenzierte Sportwetten. Nevada hat bereits eine einstweilige Verfügung gegen Kalshi erwirkt, die nun vor dem Bundesberufungsgericht verhandelt wird.
Die CFTC weitet ihre Definition von „Termingeschäften“ aus
Die Intervention der CFTC markiert eine bedeutende und umstrittene Ausweitung ihrer regulatorischen Autorität. Die Behörde, traditionell zuständig für Rohstoff-, Agrar- und Finanzderivate, beansprucht nun auch Prognosemärkte für sich.
Selig argumentiert, dass diese Märkte dieselbe Funktion erfüllen wie andere Futures – etwa zur Absicherung gegen Risiken – und kein Glücksspiel „gegen das Haus“ seien. Kritiker, darunter der Gouverneur von Utah, Spencer Cox, halten dagegen: „Diese Prognosemärkte, die Sie atemlos verteidigen, sind Glücksspiel – rein und einfach.“
„An diejenigen, die unsere Autorität in diesem Bereich herausfordern wollen: Lassen Sie mich klar sein, wir werden Sie vor Gericht sehen“, sagte Selig in einer Videobotschaft.
Politische Verflechtungen und ein neues Beratergremium
Die Entscheidung ist auch politisch brisant. Präsident Trumps Sohn, Donald Trump Jr., ist über seine Venture-Capital-Firma in Polymarket investiert und fungiert als strategischer Berater für Kalshi. Ein für die Plattformen günstiger Ausgang des Rechtsstreits könnte somit auch die Familie des Präsidenten finanziell begünstigen.
Parallel zu ihrer Unterstützung im Gerichtsverfahren hat die CFTC unter Selig ein neues „Innovation Advisory Committee“ ins Leben gerufen. Das 35-köpfige Gremium soll bei der Regulierung von Kryptowährungen und Prognosemärkten beraten.
- Mitglieder sind die CEOs von Polymarket, Kalshi, Coinbase, Robinhood, FanDuel und DraftKings.
- Auffällig ist das Fehlen von Vertretern von Verbraucherschutz- oder öffentlichen Interessengruppen.
Ein Präzedenzfall mit weitreichenden Folgen
Der Ausgang des Rechtsstreits wird weit über die beteiligten Unternehmen hinausreichen. Sollten Polymarket und Kalshi vor Gericht siegen, würde die Macht der Bundesstaaten, Glücksspiel und Sportwetten innerhalb ihrer Grenzen zu regulieren, erheblich geschwächt. Die Bundesaufsicht durch die CFTC würde Vorrang vor Landesgesetzen haben.
Gleichzeitig festigt die CFTC ihre Rolle als bevorzugter Regulierer für die sich überschneidenden Bereiche Kryptowährung und innovative Finanzmärkte. Die kleine Behörde mit nur etwa 700 Mitarbeitern positioniert sich damit zunehmend als zentrale Instanz für die Finanzmärkte der Zukunft – eine Entwicklung, die von Teilen der Politik scharf kritisiert wird.