CFTC ebnet Weg: Coinbase öffnet US-Kunden globale Krypto-Derivate
Erstmals erhalten US-amerikanische Investoren regulierten Zugang zu Perpetual Futures und Optionen – ein Schritt mit Signalwirkung für die gesamte Branche.
Veröffentlicht
31. Mai 2026

Die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat eine grundlegende Weichenstellung vorgenommen: Coinbase Financial Markets (CFM) darf als erster regulierter Futures Commission Merchant (FCM) seinen inländischen Kunden den Zugang zu globalen Krypto-Derivatemärkten eröffnen. Bislang war dieser Markt – der rund 80 Prozent des weltweiten Kryptohandelsvolumens ausmacht – für US-Anleger faktisch tabu, sofern sie nicht auf aufwändige Offshore-Strukturen zurückgriffen.
Ein Milliardenmarkt wird geöffnet
Der Schritt betrifft vor allem Perpetual Futures und Optionen auf Futures – Produkte, die an internationalen Handelsplätzen wie Deribit dominieren. Deribit verwaltet derzeit über 31 Milliarden US-Dollar offenes Interesse allein in Bitcoin-Optionen. Bislang mussten institutionelle Investoren aus den USA teure und riskante Auslandsgesellschaften gründen, um an dieser Liquidität teilzuhaben. Coinbase erklärte, dies ändere sich nun: „US-Kunden haben endlich eine vollständig regulierte, konforme Lösung, um auf alle großen Kryptomärkte zuzugreifen.“
Die regulatorische Grundlage
Die CFTC hatte zuvor klargestellt, dass bestimmte Krypto-Perpetuals als „ausländische Futures“ (foreign futures) einzustufen sind. Eine begleitende Non-Action Letter stellt zudem sicher, dass Coinbase keine Enforcement-Maßnahmen zu befürchten hat, wenn es Kundengelder – in Form von Kryptowährungen oder Stablecoins – bei einem ausländischen Broker als Margin hinterlegt. Dies beseitigt eine zentrale Unsicherheit, die bisher viele US-Institute vom Handel abhielt.
Parallel genehmigte die CFTC der Plattform Kalshi den Handel eines Bitcoin-Perpetual-Kontrakts, der erste Futures-Kontrakt des Unternehmens außerhalb von Event-Kontrakten. CFTC-Chef Michael Selig betonte, die Onshoring-Offensive zeige „das Engagement der CFTC, verantwortungsvolle Innovation zu fördern und gleichzeitig sicherzustellen, dass diese neuartigen Produkte an regulierten Börsen mit Kunden- und Marktschutz gehandelt werden.“
Auswirkungen für den deutschen Markt
Die Entscheidung hat auch für Anleger im DACH-Raum mittelbare Bedeutung. Sollte sich das Modell der regulierten FCM-Struktur durchsetzen, dürfte der Druck auf die europäische Regulierung (MiCA) wachsen, ähnliche klare Wege für den Derivatehandel zu schaffen. Bislang sind Krypto-Derivate in der EU regulatorisch oft unklar eingeordnet – die deutsche BaFin behandelt sie meist als Finanzinstrumente, ohne dass eine mit der CFTC vergleichbare Erlaubnisstruktur existiert. Für institutionelle Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz könnte dies bedeuten, dass sie künftig über US-Broker wie Coinbase leichter an globale Liquidität gelangen – freilich mit den steuerlichen Implikationen, die ein US-Broker-Konto mit sich bringt.
Klar ist: Die CFTC-Entscheidung ist ein Wendepunkt. Ein Markt, der bislang in einer regulatorischen Grauzone agierte, wird Schritt für Schritt ans Licht geholt. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant – insbesondere die Frage, ob Gewinne aus Perpetual Futures als Termingeschäfte desselben Jahres zu versteuern sind.