Bitwise-Chef: Berater interessieren sich mehr für Stablecoins
Matt Hougan von Bitwise berichtet von Gesprächen mit über 40 Finanzberatern. Diese zeigen wachsendes Interesse an Stablecoins und Tokenisierung – ein möglicher Impuls für den nächsten Bullenmarkt.
Veröffentlicht
12. Juni 2026

Bitcoin steckt im Stimmungstief – doch ausgerechnet jene Bereiche, die bisher oft im Schatten standen, rücken nun in den Fokus. Bitwise-Investmentchef Matt Hougan hat in den vergangenen Tagen mit mehr als 40 Finanzberatern gesprochen. Seine Erkenntnis: „Es war ziemlich schwierig, mit Beratern über Bitcoin zu sprechen“, schreibt Hougan in seinem aktuellen Memo. Stattdessen zeigten die Gesprächspartner eine „viel größere Neugierde auf die realen Anwendungen von Krypto, die gerade die Kapitalmärkte und den globalen Zahlungsverkehr umgestalten.“
Wall Street entdeckt die praktische Seite der Blockchain
Das Interesse der Berater konzentriere sich vor allem auf Stablecoins und Tokenisierung – zwei Felder, die jenseits der spekulativen Bitcoin-Rallyes liegen. Hougan zufolge sind sie derzeit kaum zu ignorieren: „Es ist schwer, CNBC einzuschalten, ohne dass jemand wie SEC-Chef Paul Atkins, Goldman-Sachs-CEO David Solomon oder BlackRock-Chef Larry Fink über Stablecoins und Tokenisierung spricht.“
Diese Entwicklung könnte genau der Impuls sein, den der Kryptomarkt braucht. Denn während der Bitcoin-Kurs in diesem Jahr um fast 30 Prozent auf rund 62.500 US-Dollar nachgab, boomen andere Segmente: Der Stablecoin-Emittent Circle etwa feierte im Juni 2025 einen spektakulären Börsengang, die Aktie stieg von 31 auf zeitweise 240 US-Dollar.
Tokenisierung als nächster Wachstumsmotor
Zusätzlichen Schub könnte die US-Börsenaufsicht SEC liefern. Berichten zufolge plant sie eine Ausnahmeregelung für den Handel mit tokenisierten Aktien. Das würde traditionellen Anlegern mehr Sicherheit geben und Investitionen in diesem Bereich weiter ankurbeln. „Investoren wollen Teil davon sein“, sagt Hougan.
Historisch gesehen seien Bullenmärkte in der Kryptoszene stets durch neue Produktinnovationen und neue Anlegertypen ausgelöst worden. Die „beste Hoffnung“ sei daher, dass Finanzberater und Institutionelle die neue Investorenklasse bilden. Ihr Geld dürfte weniger in Bitcoin fließen, sondern in Projekte rund um Stablecoins und Tokenisierung.
Hougan nennt in diesem Zusammenhang Ethereum, Solana, Canton, Chainlink und Avalanche sowie die Handelsplattform Hyperliquid und die Krypto-Firmen Figure, Circle und Coinbase. Letztere baut ihr Geschäft gezielt über den reinen Kryptohandel hinaus aus – mit tokenisierten Aktien und Blockchain-Dienstleistungen. Bereits jetzt bieten mehrere Börsen solche Produkte außerhalb der USA an, etwa im Vorfeld des mit Spannung erwarteten SpaceX-Börsengangs.
DACH-Perspektive: Vorsicht bei der steuerlichen Einordnung
Für Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die Entwicklung relevant, auch wenn derzeit die großen Institutionen aus den USA den Ton angeben. Wer in tokenisierte Produkte investiert, sollte beachten, dass die steuerliche Behandlung – etwa nach § 23 EStG für private Veräußerungsgeschäfte oder nach der Jahresfreigrenze – von der klassischen Krypto-Besteuerung abweichen kann. Die zunehmende Tokenisierung traditioneller Anlageklassen könnte hierzulande neue Gestaltungsfragen aufwerfen, noch bevor die MiCA-Verordnung für vollständige regulatorische Klarheit sorgt.