BitForex-Gründer schiebt 1,35 Mrd. Dollar in Ether auf Binance
Garrett Jin transferiert fast 578.000 ETH innerhalb von vier Tagen. Ein unglücklicher BTC-ETH-Swap beschert ihm Milliardenverluste – und lässt den Markt rätseln.
Veröffentlicht
13. Mai 2026

Garrett Jin, Gründer der zusammengebrochenen Kryptobörse BitForex, hat innerhalb von vier Tagen knapp 577.896 Ether im Wert von rund 1,35 Milliarden Dollar auf die Handelsplattform Binance verschoben. Die letzte Tranche vom 11. Mai umfasste allein 225.627 ETH – umgerechnet etwa 528 Millionen Dollar.
Ein Swap mit Folgen
Rund acht Monate zuvor hatte Jin große Teile seiner Bitcoin-Bestände gegen Ethereum getauscht – zu einem damaligen Kurs von 4.591 Dollar pro ETH. Seitdem ist der Ether-Kurs gefallen. Die Folge: ein rechnerischer Verlust von schätzungsweise 1,3 Milliarden Dollar, der bislang nicht realisiert ist.
Analysten beobachten die Transaktionen mit Argusaugen. Zwei Lesarten bieten sich an. Die pessimistische: Jin bereitet eine Liquidation vor. Ein Verkauf dieser Größenordnung würde das Angebot auf dem Markt schlagartig erhöhen und könnte den ETH-Kurs kurzfristig unter Druck setzen. Die optimistischere These: Jin könnte das Kapital umschichten – etwa in Staking, Lending oder andere Strategien. Bislang gibt es keine bestätigten Verkaufsorders im Zusammenhang mit den Einzahlungen, was die zweite Interpretation stützt.
Ethereum im Fokus großer Akteure
Die Bewegung fällt in eine Phase erhöhter Aktivität institutioneller Adressen. Erst am 26. April hatte die Ethereum Foundation selbst 100.000 ETH bei einem Kurs von 2.337 Dollar verkauft – ein Vorgang, der die Debatte um den Einfluss großer Halter auf das Kursgeschehen neu entfacht hat.
Sollte Jin tatsächlich nur einen Bruchteil seiner Position auf Binance liquidieren, dürfte der Verkaufsdruck spürbar sein. Mit 577.896 ETH hält er ein Volumen, das im Verhältnis zu den täglichen Handelsumsätzen von Ether signifikant ist. Anleger sollten daher besonders auf die Abflussdaten von Binance achten: Bewegt sich das ETH aus der Börse heraus oder in Staking-Verträge, spricht das für eine strategische Neuausrichtung – und gegen einen bevorstehenden Ausverkauf.
Reputation und Regulierung
Hinzu kommt die vertrauenspolitische Dimension. Jin gründete BitForex, eine Börse, die später kollabierte. Große, undurchsichtige Transfers von Gründern gescheiterter Plattformen ziehen regelmäßig die Aufmerksamkeit von Regulierungsbehörden auf sich – unabhängig von der tatsächlichen Absicht. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung solcher Transaktionen relevant: Werden sie als privates Veräußerungsgeschäft gewertet, greift die einjährige Haltefrist des § 23 EStG – bei Staking oder Lending könnte sich die Frist auf zehn Jahre verlängern.
Jin hält den Schlüssel zur nächsten Bewegung in der Hand. Ob er verkauft, umschichtet oder hält – die kommenden Tage werden zeigen, ob der Markt mit einem milliardenschweren Liquiditätsereignis rechnen muss.