Bitcoin fällt unter Einstandspreis der Kurzfrist-Anleger
Der Kursrückgang unter 77.000 US-Dollar hat eine kritische on-chain Marke durchbrochen: den Realized Price der Short-Term Holder. Historisch ein Warnsignal für weitere Schwäche.
Veröffentlicht
20. Mai 2026

Bitcoin ist innerhalb weniger Tage von seinem jüngsten Erholungshoch wieder abgetaucht und notiert erneut unter der 77.000-Dollar-Marke. Damit hat die älteste Kryptowährung eine psychologisch wichtige – und on-chain messbare – Unterstützung verloren: den Einstandspreis der Short-Term Holder (STH). Wie der Analyst Maartunn auf X darlegt, scheiterte der jüngste Versuch, diese Marke nachhaltig zu überwinden. Das dürfte vor allem jene Anleger beunruhigen, die erst in den vergangenen Monaten eingestiegen sind.
Was der Realized Price der Kurzfrist-Anleger verrät
Der Realized Price berechnet den durchschnittlichen Kaufpreis aller Coins in einer bestimmten Gruppe – hier der Short-Term Holder (STH), also Adressen, die ihre Bitcoin innerhalb der letzten 155 Tage erworben haben. Liegt der Bitcoin-Kurs über diesem Wert, sind die Anleger dieser Gruppe im Durchschnitt im Plus. Fällt der Kurs darunter, schreiben sie Verluste.
Seit dem Absturz im letzten Quartal 2025 lag Bitcoin lange unter dieser kritischen Linie. Die jüngste Erholungsrallye hatte die Kurse kurzzeitig darüber gehoben. „Doch die Profitabilität hielt nicht lange an“, schreibt Maartunn. Bereits im Januar scheiterte ein ähnlicher Erholungsversuch genau an dieser Hürde. Das Muster ist in der Vergangenheit häufig in bärischen Phasen aufgetreten: Sobald der Kurs auf den Einstandspreis der jüngsten Käufer trifft, nutzen viele dieser Investoren die Gelegenheit, um ohne Verlust auszusteigen – der Verkaufsdruck steigt.
Langfrist-Halter zeigen Gegenbewegung
Während die Short-Term Holder unter Druck stehen, zeichnet sich bei den Langfrist-Haltern (LTH) ein anderes Bild ab. Der CryptoQuant-Analyst Darkfrost weist darauf hin, dass die LTH-Bestände zuletzt wieder gestiegen sind. Nach einer Verkaufsphase in der zweiten Jahreshälfte 2025 drehte der Nettozufluss dieser Gruppe im Januar ins Positive. Aktuell kontrollieren die LTHs rund 15,26 Millionen BTC – ein Zeichen dafür, dass erfahrene Anleger die aktuelle Schwäche eher zum Akkumulieren nutzen.
Bitcoin notierte zwischenzeitlich bei 76.700 US-Dollar und erholte sich leicht auf 77.700 US-Dollar. Ob der STH-Realized Price erneut als Widerstand wirkt oder ob die LTH-Akkumulation genug Gegenwind erzeugt, bleibt abzuwarten.
Bedeutung für Anleger im DACH-Raum
Für deutsche Privatanleger, die Bitcoin innerhalb der einjährigen Haltefrist veräußern, sind die Kursbewegungen unterhalb des STH-Einstandspreises doppelt relevant: Wer zugekauft hat und nun mit Verlust verkauft, kann diesen unter Umständen steuerlich geltend machen – vorausgesetzt, die Spekulationsfrist ist noch nicht abgelaufen. Die on-chain Daten liefern hier ein zusätzliches Entscheidungskriterium für die Frage, ob man nachkauft oder auf eine Erholung über die Kostenschwelle der jüngsten Käufer wartet.