Bitcoin vor weiterem Abstieg? Drei Risiken bedrohen den Kurs
Eine Analyse von Ecoinometrics warnt: Die Konsolidierung unter 70.000 USD gleicht eher einer Pause im Bärenmarkt als einer Bodenbildung. Die Verbindung zu Aktienmärkten und institutionellen Flüssen schafft neue Risiken.
Datum
22. Februar 2026

Key Takeaways:
- Bitcoin hält sich unter der kritischen Marke von 70.000 US-Dollar, doch laut Analysefirma Ecoinometrics ist dies keine Basis für eine Erholung.
- Drei überlappende Kräfte halten das Abwärtsrisiko hoch: nachlassender Aktienmarkt-Schwung, strukturell niedrigere Volatilität und eine neutrale US-Notenbank.
- Die zunehmende institutionelle Integration macht Bitcoin anfälliger für breite Marktabschwünge, während sie gleichzeitig die langfristige Stabilität erhöhen könnte.
Warum die Konsolidierung täuschen kann
Bitcoin (BTC) konsolidiert seit Wochen unter der wichtigen psychologischen und technischen Hürde von 70.000 US-Dollar. Für viele Beobachter sieht dies nach einer gesunden Bodenbildung aus. Die Daten- und Research-Firma Ecoinometrics zeichnet in einem aktuellen Bericht jedoch ein anderes Bild: Der Markt baue keine Basis für eine Erholung, sondern sei weiterhin anfällig für einen weiteren Abwärtsmove.
Die Analysten argumentieren, dass drei Kräfte zusammenwirken:
- Ein nachlassender Schwung (Momentum) an den Aktienmärkten.
- Tiefgreifende strukturelle Veränderungen im Volatilitätsprofil von Bitcoin.
- Eine US-Notenbank (Fed), die einen neutralen, nicht unterstützenden Kurs fährt.
"Bitcoin handelt nicht mehr isoliert", stellt der Bericht fest. "Es ist zunehmend mit Aktienmärkten, Kapitalströmen und breiteren makroökonomischen Bedingungen verbunden. Im Moment arbeitet diese Verbindung nicht zu seinen Gunsten."
Die gefährliche Verbindung zu den Aktienmärkten
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die gestiegene Korrelation. Während der Nasdaq 100 seit etwa drei Monaten stagniert, steigt dessen 200-Tage-Durchschnittslinie weiter – ein Zeichen für Verlangsamung, aber noch keinen klaren Abschwung.
Bitcoin hingegen handelt bereits unter seinem langfristigen Trend. Seine 200-Tage-Linie (derzeit über 100.000 USD) zeigt nach unten, und Rallyes scheitern wiederholt darunter. Das ist ein klassisches Zeichen einer bärischen Struktur.
Die historische Lektion ist klar: Wenn Aktienmärkte entschieden kippen, fällt Bitcoin tendenziell scharf mit ihnen. Die derzeitige Situation – ein schwacher Bitcoin vor einem möglichen Aktien-Rücksetzer – ist daher besonders riskant.
Struktureller Wandel: Weniger Volatilität, mehr Abhängigkeit
Jenseits der Kursbewegung hebt Ecoinometrics einen fundamentalen Wandel hervor: Die realisierte Volatilität (12 Monate) hat sich in diesem Zyklus deutlich komprimiert. Sie erreichte nicht die extremen Höhen früherer Bullen- und Bärenmärkte.
Der Grund dafür ist ein Wechsel der treibenden Kräfte:
- ETF-Ströme dominieren nun die Trendbildung.
- Diese institutionellen Flüsse sind größer, stetiger und systematischer als die retail-getriebenen Hypes vergangener Zyklen.
Bitcoin ist damit in institutionellen Portfolios neben Tech- und Wachstumsaktien verankert. Diese Institutionalisierung bringt Vorteile:
- Geringere Volatilität.
- Vorhersehbarere Kapitalflussmuster.
- Potenziell größere langfristige Beständigkeit.
Doch der Trade-off ist eine tiefere Sensibilität für Aktienmarktrückschläge. Bitcoin verhält sich immer mehr wie eine Komponente des breiten "Risiko-on"-Komplexes und weniger wie ein entkoppeltes Spekulationsasset.
Die Fed als neutraler Faktor – weder Helfer noch Bremser
Auf politischer Front bietet die US-Notenbank aktuell wenig Unterstützung. Die Analyse von Ecoinometrics sieht die Fed in einer neutralen Grundhaltung: Die Inflation hat sich verbessert, ist aber nicht besiegt, der Arbeitsmarkt bleibt robust.
Folglich sind Zinssenkungen nicht dringend, aber Zinserhöhungen auch nicht unmittelbar bevorstehend. Diese stetige Haltung entfernt zwar das Risiko eines plötzlichen politischen Schocks, bietet aber auch keinen Rückenwind für riskante Assets wie Bitcoin.
In einem fragilen Markt sei Stabilität zwar einer Straffung vorzuziehen, so die Firma, doch sie biete wenig Halt, sollten Risikoassets zu rutschen beginnen.
Fazit: Wachsamkeit ist geboten
Zusammengenommen deuten die Indikatoren darauf hin, dass die aktuelle Ruhephase trügerisch sein könnte. Die strukturellen Gegenwinde – anhaltende ETF-Abflüsse und eine breite "Risiko-aversion" an den Finanzmärkten – sind bereits präsent.
Für Investoren bedeutet dies: Die zunehmende Reife und Integration von Bitcoin in das globale Finanzsystem hat den Charakter des Assets verändert. Die Tage der extremen, isolierten Volatilitätsspitzen mögen vorbei sein, doch der Preis dafür ist eine größere Verwundbarkeit durch systemische Schocks in den traditionellen Märkten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Konsolidierung tatsächlich der Vorbote einer weiteren Korrektur ist.