Bailey erwartet „Kampf“ mit USA um globale Stablecoin-Regeln
Der Gouverneur der Bank of England warnt vor systemischen Risiken durch Dollar-Stablecoins und fordert internationale Standards – ein Konflikt mit Trumps Kurs zeichnet sich ab.
Veröffentlicht
12. Mai 2026

Die globale Regulierung von Stablecoins könnte zum nächsten transatlantischen Zankapfel werden. Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England und Vorsitzender des Finanzstabilitätsrats (FSB), rechnet mit einem harten Ringen mit der US-Administration um einheitliche internationale Standards für dollar-gestützte Zahlungstoken. Das machte er auf einer Konferenz am vergangenen Freitag deutlich.
„Wenn wir wollen, dass Stablecoins Teil der globalen Zahlungsarchitektur werden, dann funktioniert das nur mit internationalen Standards“, sagte Bailey. „Das wird, ehrlich gesagt, ein Kampf mit der derzeitigen US-Regierung werden.“
Dollar-Dominanz als Risikofaktor
Der Stablecoin-Markt ist auf rund 317 Milliarden US-Dollar angewachsen, dominiert von Token, die an den US-Dollar gekoppelt sind und meist mit US-Staatsanleihen hinterlegt werden. Unter US-Präsident Donald Trump hat die Branche durch den GENIUS Act einen regulatorischen Rahmen erhalten, der Stablecoin-Emittenten großzügige Spielräume lässt. Andere Aufseher hingegen fordern strengere Regeln, um systemische Risiken zu begrenzen – eine Kluft, die sich immer weiter öffnet.
Bailey warnte konkret vor der mangelnden Konvertierbarkeit mancher Stablecoins. Nicht alle ließen sich ohne den Umweg über eine Krypto-Börse in Bargeld umwandeln. Falls solche Token für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt würden, drohten Probleme:
„Wir wissen, was passieren würde, wenn es einen Run auf einen Stablecoin gäbe: Sie würden alle hier auftauchen“, so Bailey mit Blick auf Großbritannien.
US-Banken drängen auf schärfere Regeln
Parallel dazu warnen auch US-Bankenverbände vor den Risiken von Stablecoins. Sie fordern vom Kongress ein Verbot von Zinszahlungen auf Stablecoin-Guthaben durch Drittplattformen – ein Punkt, über den sich Krypto- und Bankenbranche nach monatelangen Verhandlungen nicht einigen konnten. Der jüngste Gesetzesentwurf verbietet Belohnungen auf Leerbestände, erlaubt aber weiterhin andere Formen von Kundenprämien. Der Bankenausschuss des US-Senats hat seine Abstimmung über das Gesetz jedoch erneut vertagt. Ein neuer Termin für die Beratung steht nun für diesen Donnerstag an.
Die Position der US-Regierung und die aggressiven Lobbyaktivitäten der Branche stehen im direkten Widerspruch zu den Vorsichtsprinzipien europäischer Regulierer. Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche und aufsichtsrechtliche Behandlung von Stablecoins unverändert relevant: In Deutschland gelten sie als sonstige Vermögensgegenstände, nicht als E-Geld, was etwa für die Haltefrist von privaten Veräußerungsgeschäften nach § 23 EStG bedeutsam ist. Sollten internationale Standards ausbleiben, droht eine Fragmentierung, die Anlageentscheidungen weiter verkomplizieren könnte.