Bitcoin-Mining-Razzia in Brasilien: 1.400 Miner beschlagnahmt
Ermittler decken illegales Mining mit gestohlenem Strom im Wert von 2 GWh auf – neues Gesetz erlaubt Krypto-Liquidation für Sicherheitsbehörden.
Veröffentlicht
24. Mai 2026

Die brasilianische Polizei hat einen der größten illegalen Bitcoin-Mining-Betriebe des Landes ausgehoben. Am 20. Mai durchsuchten Ermittler der Polícia Civil im Bundesstaat São Paulo ein Gelände und stellten rund 1.400 Mining-Rigs sicher. Der Vorwurf: Die Betreiber zapften über Monate hinweg unerlaubt Strom aus dem öffentlichen Netz. Laut Behördenangaben belief sich der entwendete Strom auf rund 2 Gigawattstunden – genug, um etwa 2.000 Haushalte einen Monat lang zu versorgen.
Hintergrund der Razzia
Die Aktion wurde von der Delegacia de Investigações sobre Crimes Contra o Patrimônio Imobiliário (DEIC) in Zusammenarbeit mit dem regionalen Energieversorger CPFL Piratininga durchgeführt. Vor Ort fanden die Ermittler neun Drehstromtransformatoren mit einer Gesamtleistung von 8.470 kVA – eine Infrastruktur, die auf einen professionell organisierten Betrieb hindeutet. Bislang wurden keine konkreten Personen oder Unternehmen öffentlich benannt. Die Ermittlungen laufen; der Fokus liegt nach Angaben der Polizei auf dem Stromdiebstahl, nicht auf der Mining-Aktivität an sich.
Legalität von Mining – illegaler Strombezug
Bitcoin-Mining ist in Brasilien grundsätzlich legal. Der Straftatbestand in diesem Fall ist nicht der Betrieb der Rechner, sondern die Art und Weise ihrer Energieversorgung. Die Betreiber umgingen die Stromzähler und entzogen sich so der Abrechnung. In einem Land mit ohnehin hohen Stromkosten – besonders für Industriekunden – ist der Reiz solcher illegaler Anschlüsse offenbar groß.
Neues Gesetz erleichtert Verwertung beschlagnahmter Kryptowerte
Bemerkenswert ist der zeitliche Kontext: Erst im März 2026 verabschiedete Brasilien ein Gesetz, das die Beschlagnahme und Verwertung digitaler Vermögenswerte aus Straftaten erlaubt. Die Erlöse aus der Liquidation solcher Assets fließen direkt in die öffentliche Sicherheit. Dieser Fall könnte einer der ersten sein, in dem das neue Recht zur Anwendung kommt. Das Verfahren dürfte Signalwirkung haben: Andere Länder könnten dem Beispiel folgen, wenn sie erkennen, dass sich durch die Verwertung beschlagnahmter Kryptowerte staatliche Kassen füllen lassen.
Auswirkungen für den Markt
Für legitime Mining-Unternehmen ist die Razzia eine gute Nachricht. Jeder illegale Betrieb, der vom Netz geht, reduziert die globale Hashrate und verbessert damit die wirtschaftlichen Bedingungen für konforme Akteure. Wenn 1.400 Rigs stillstehen, fällt Rechenleistung weg, die zuvor um die Blockbelohnungen konkurrierte. Der Effekt ist zwar überschaubar, aber nicht irrelevant – zumal ähnliche Razzien in anderen Jurisdiktionen wie Malaysia oder Kasachstan in den letzten Jahren zugenommen haben. Für Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die steuerliche Einordnung solcher Entwicklungen relevant: Hierzulande wäre der illegale Strombezug steuerlich ohnehin nicht abzugsfähig – bei legalen Minern hingegen können die Energiekosten als Betriebsausgaben geltend gemacht werden, sofern keine private Nutzung vorliegt.